Sorya Ahmed, 55, a grandmother from Ras Al Ayn. When Turkey announced their military operations in north east Syria she moved to different locations hoping that the situation would calm down, however things were escalating and the fighting was reaching them from one village to another. Eventually, Sorya and her family decided to leave Syria and seek refuge in Kurdistan Region of Iraq. Sorya has been displaced three times during eight years of war but this time was more horrifying than any time before. 
“We saw people burning in front of us. We escaped running over their dead bodies, there were no safe routes to escape, and they did not secure a road for civilians to leave.”
“We were 23 people; there were kids, women and young men with us. The smugglers were asking for a big amount of money. We did not have any money but we had my son's car, so we gave them the car instead of money.”
“At the border, we walked for around six hours. We were so scared that ISIS or anyone else would attack us. All of these children were with us without water and food.”
“On the way, we did not know who we are dealing with. Even men started to get scared because we no longer knew where we were going.”
“There is nothing to go back to, they burnt my house, and in Ras Al Ayn the original people of the area have left (now is full of Arabs and people from other areas). Even if I eat soil here I would not go back to Syria.”


Photo: Alan Ayoubi/NRC
Date: 02 December 2019
Syrien

Irgendwohin – nur nicht nach Hause

„Mein Haus wurde niedergebrannt und alle, die dort gelebt haben, sind geflohen. Selbst wenn ich mich hier im Lager von Erde ernähren müsste, würde ich niemals nach Syrien zurückkehren.“ Sorya, 55, floh Ende 2019 aufgrund der türkischen Militäroffensive aus ihrer Heimat in Nordostsyrien. Derzeit lebt sie in einem Flüchtlingslager im Nordirak. NRC Flüchtlingshilfe leistet Menschen wie Sorya, deren Häuser jüngst zerstört wurden, Soforthilfe.

Sorya ist eine Großmutter aus Ray Al Ayn in Nordostsyrien. Während des seit acht Jahren andauernden syrischen Konflikts wurde sie bereits dreimal vertrieben. Dieses Mal waren die Gründe für ihre Flucht Furcht einflößender als je zuvor, sodass sie gezwungen war, das Land zu verlassen.

“Wir sahen Menschen verbrennen“, sagt sie. „Wir rannten über ihre Leichen, um zu entkommen.“

Sie floh zusammen mit 23 weiteren Menschen. Es waren Frauen, junge Männer und Kinder. Viele gehörten zu ihrer Familie.

Alle Straßen wurden willkürlich beschossen. Es gab für die Zivilbevölkerung keine sichere Route.

“An der Grenze gingen wir sechs Stunden lang zu Fuß. Wir hatten Angst, dass die IS-Gruppe oder sonst jemand uns angreifen würde. All die Kinder, die bei uns waren, hatten weder Wasser noch etwas zu essen.“

Die Gruppe hatte schließlich keine andere Wahl, als sich an Schmuggler zu wenden, um sich im Irak in Sicherheit zu bringen.

“Während wir unterwegs waren, wussten wir nicht, mit wem wir es zu tun hatten. Selbst die Männer bekamen Angst, weil wir nicht mehr wussten, wohin wir gingen.“

Lesen Beschriftung Im Nordirak lebende Flüchtlinge teilen ihre Erfahrungen über die Flucht aus Syrien.

Viele Flüchtlinge hoffen, nach Hause zurückkehren zu können. Der Horror, den sie mit ansehen mussten, und die wiederkehrenden Gefahren hindern jedoch einige daran.

Die Untersuchung „Desperate Measures“ („Verzweifelte Maßnahmen“), die von NRC Flüchtlingshilfe im Baradrash-Lager, in dem auch Sorya lebt, durchgeführt wurde, hat ergeben, dass 95 Prozent der Geflüchteten nicht glauben, dass sie in ihre Heimat zurückkehren, sondern stattdessen im Irak bleiben werden.

Auch Sorya empfindet das so.

„Wo sollte ich hin, wenn ich zurückkehren müsste? Mein Haus wurde niedergebrannt und alle, die dort gelebt haben, sind geflohen. Selbst wenn ich mich hier im Lager von Erde ernähren müsste, würde ich niemals nach Syrien zurückkehren.“
Sorya Ahmed, 55, a grandmother from Ras Al Ayn. When Turkey announced their military operations in north east Syria she moved to different locations hoping that the situation would calm down, however things were escalating and the fighting was reaching them from one village to another. Eventually, Sorya and her family decided to leave Syria and seek refuge in Kurdistan Region of Iraq. Sorya has been displaced three times during eight years of war but this time was more horrifying than any time before. 
“We saw people burning in front of us. We escaped running over their dead bodies, there were no safe routes to escape, and they did not secure a road for civilians to leave.”
“We were 23 people; there were kids, women and young men with us. The smugglers were asking for a big amount of money. We did not have any money but we had my son's car, so we gave them the car instead of money.”
“At the border, we walked for around six hours. We were so scared that ISIS or anyone else would attack us. All of these children were with us without water and food.”
“On the way, we did not know who we are dealing with. Even men started to get scared because we no longer knew where we were going.”
“There is nothing to go back to, they burnt my house, and in Ras Al Ayn the original people of the area have left (now is full of Arabs and people from other areas). Even if I eat soil here I would not go back to Syria.”


Photo: Alan Ayoubi/NRC
Date: 02 December 2019
Lesen Beschriftung Sorya, 55, wurde in den acht Jahren Krieg bereits dreimal vertrieben. Dieses Mal war es jedoch Furcht einflößender als jemals zuvor. Foto: Alan Ayoubi/NRC

Dies bestätigt die weitverbreitete Angst, das Leid und die Verzweiflung, die im Nordosten Syriens seit Beginn der türkischen Militäroffensive im Oktober 2019 herrschen.

Hindernisse auf der Suche nach Sicherheit

Die türkische Militäroffensive begann am 9. Oktober 2019, als die USA den Abzug ihrer Truppen ankündigten. Sie umfasste Luftangriffe, Artilleriebeschuss und Bodenkämpfe. Über 17.000 Syrerinnen und Syrer waren zur Flucht gezwungen.

Die Flüchtlinge berichten NRC Flüchtlingshilfe von erschütternden Reisen, der Flucht vor Bomben und dem Vormarsch der Truppen, von langen Fußmärschen über die hügelige Grenze nachts in der Kälte. Viele Familien wurden bei ihrer schwierigen Flucht voneinander getrennt.

Andere erinnern sich an zivile Opfer. Suleiman, gerade 18 geworden, erzählt uns:

“Auf unserer Flucht wurde jemand direkt vor meinen Augen von einem Luftangriff getroffen. Sein Kopf wurde dabei vom Körper abgerissen. Ich konnte nur seinen Kopf sehen. Der Körper fehlte.“
Suleiman and his younger sister were sent to Kurdistan Region of Iraq by their parents who wanted to save their lives. 
“My father sent us here to save our lives, many people left their parents and siblings; even children left their families because of the war. In situations like this, each person is out there on their own.” 
Suleiman’s family didn’t have the financial means to pay the expected amount smugglers would ask for to help them cross the border to Iraq. Suleiman had to pay US$ 600 for each of them to be able to reach the Iraq border. Like many Syrian refugees who fled under fire, Suleiman’s journey was not an easy experience. With no safe passages guaranteed for civilians to flee the conflict zone, the 18-year old Suleiman and his 14-year-old sister have seen dead bodies along the way.
“On our way, airstrikes hit somebody in front of my eyes, his head got ripped off his body. I could only see his head and the body was missing.”  
“In the same airstrike, a girl lost both of her legs and a hand; she was dead, and a woman lost the lower part of her body. What we saw on that night was terrifying.”

Photo: Karl Schembri/NRC
Lesen Beschriftung Suleiman, 18, und seine jüngere Schwester wurden von ihren Eltern in den Nordirak geschickt, damit sie in Sicherheit sind. Foto: Karl Schembri/NRC

Ali, 25, humanitärer Helfer aus Ayn Issa, floh um dieselbe Zeit. Für Ali war der Tag, an dem die Militäroffensive begann, ein ganz normaler Arbeitstag, bis zu dem Moment, als er einen Anruf erhielt und von einer Explosion im nahegelegenen Ras Al Ayn erfuhr. Ein Anruf, der sein Leben auf den Kopf stellte.

„Ich hatte in Syrien ein normales Leben. Tagsüber arbeitete ich mit Vertriebenen und abends ging ich nach Hause. Ich hätte niemals gedacht, dass ich eines Tages selbst fliehen und in einem anderen Land Zuflucht würde suchen müssen.“
Lesen Beschriftung Entwicklungshelfer Ali* spricht über den Weg, den er eingeschlagen hat, um sich im Irak in Sicherheit zu bringen.

Hilfe bei der Grenzüberquerung

Die Menschen flohen mit nichts als den Kleidern, die sie am Leib trugen. Sie hatten auf ihrer schwierigen Reise nichts zu essen und zu trinken. NRC Flüchtlingshilfe war an den Empfangsstellen vor Ort, um die neu Ankommenden mit Trinkwasser und anderen wichtigen Dingen zu versorgen.

In den neu eingerichteten syrischen Flüchtlingslagern verteilen wir wichtige Gegenstände für Babys und Hygienesets für Familien. Außerdem haben wir für die kalten Wintermonate Gemeinschaftsheizgeräte installiert.

Lesen Beschriftung Karl Schembri, Medienberater des NRC im Nahen Osten, an einem der Aufnahmeorte im Nordirak für neu angekommene syrische Flüchtlinge.

Für diejenigen, die keine andere Wahl haben, als im Lager zu bleiben, haben wir eine inoffizielle Schule gegründet, damit die Kinder einen Platz zum Lernen haben und etwas hoffnungsvoller in die Zukunft blicken können.

Den vollständigen Bericht über die Situation für syrische Flüchtlinge im Nordirak finden Sie hier. (Englisch)