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title: "Das Leben als 13-Jähriger in Afghanistan"
description: "Wenn man 13 Jahre alt ist und in Afghanistan lebt, dann hat man sein ganzes bisheriges Leben in Konflikt und Krieg verbracht. Mit großer Wahrscheinlichkeit läuft man Gefahr, vertrieben zu werden, oder lebt bereits als Vertriebener. Dies ist das Leben des 13-jährigen Akhtar Mohammed."
url: "https://www.nrc-hilft.de/neuigkeiten/dezember/das-leben-als-13-jahriger-in-afghanistan"
language: "de"
published: "2019-11-29T14:18:16Z"
modified: "2019-11-29T14:18:16Z"
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# Das Leben als 13-Jähriger in Afghanistan

Roald Høvring Veröffentlicht 29. Nov. 2019

[Afghanistan](https://www.nrc-hilft.de/thema?categoryId=29) [Kinder](https://www.nrc-hilft.de/thema?categoryId=140)

MÜLL SAMMELN. Akhtar Mohammed, 13, ist vor etwa zweieinhalb Jahren vor dem Konflikt aus der Provinz Kunduz geflohen. Foto: Enayatullah Azad/NRC

Dieser Artikel wurde erstmals vor mehr als 6 Jahren veröffentlicht

Wenn man 13 Jahre alt ist und in Afghanistan lebt, dann hat man sein ganzes bisheriges Leben in Konflikt und Krieg verbracht. Mit großer Wahrscheinlichkeit läuft man Gefahr, vertrieben zu werden, oder lebt bereits als Vertriebener. Dies ist das Leben des 13-jährigen Akhtar Mohammed.

Wenn man 13 Jahre alt ist und in Afghanistan lebt, dann hat man sein ganzes bisheriges Leben in Konflikt und Krieg verbracht. Mit großer Wahrscheinlichkeit läuft man Gefahr, vertrieben zu werden, oder lebt bereits als Vertriebener. Dies ist das Leben des 13-jährigen Akhtar Mohammed.

Wir treffen ihn frühmorgens nach einer klirrend kalten Nacht mit heftigem Schneefall. Ein weißer, weicher Schneeteppich bedeckt die provisorischen Zelte in dieser inoffiziellen Siedlung außerhalb des westlichen Teils der Hauptstadt Kabul. In der Siedlung leben etwa 50 Familien. Viele der Familien haben bereits viele Jahre als Geflüchtete in Pakistan gelebt, bevor sie zurückgekehrt sind.

Akhtar und seine Familie sind vor etwa zweieinhalb Jahren vor dem Konflikt aus der Provinz Kunduz geflohen. Er hat fünf Geschwister. Der 13-Jährige arbeitet zusammen mit seinem Vater auf den Straßen von Kabul. Sie sammeln Müll.

Seit Anfang 2015 sind etwa 3 Millionen afghanische Geflüchtete aus dem Iran und Pakistan wieder nach Afghanistan zurückgekehrt, häufig in eine unsichere Zukunft, so das Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA).

Sieben von zehn afghanischen Flüchtlingen, die nach Hause zurückkehren, müssen einem [Bericht](https://www.nrc.no/news/2018/january/new-report-repeated-displacement-blights-lives-of-afghans) von NRC Flüchtlingshilfe und Samuel Hall zufolge aufgrund von Gewalt erneut fliehen. Viele von ihnen sind nun Binnenvertriebene.

## **Kinder sind nach wie vor überproportional von der Krise betroffen**

Kinder unter 18, die über als die Hälfte der afghanischen Bevölkerung ausmachen, sind nach wie vor überproportional von der Krise betroffen.

Anhaltende Gewalt, Diskriminierung und die Verweigerung von grundlegenden Dienstleistungen – insbesondere medizinische Versorgung und Bildung – untergraben ihr Recht auf eine sichere und geschützte erste Umgebung und beeinträchtigen ihre körperliche und psychische Gesundheit.

Darüber hinaus hat eine schwere Dürre rund 3,9 Millionen in den ländlichen Regionen des Landes von Nahrungsmittelhilfe und Existenzsicherung abhängig gemacht und im Westen eine schwere Vertreibungskrise ausgelöst.

Wenn man 13 Jahre alt ist und in Afghanistan lebt, ist man vielen Gefahren ausgesetzt:

ZWEI DRITTEL: Fast zwei Drittel aller Menschen in Afghanistan leben in Regionen, die direkt vom Konflikt betroffen sind. Über die Hälfte von ihnen sind unter 18. Diese zwei Jungen betreten eine Zeltsiedlung für Vertriebene in der Provinz Badghis. Foto: Enayatullah Azad/NRC

## **#1: Fast zwei Drittel der afghanischen Bevölkerung leben in Regionen, die direkt vom Konflikt betroffen sind**

Über die Hälfte von ihnen sind unter 18 (47,3 Prozent der 35,7 Millionen Menschen in Afghanistan sind jünger als 15). Sie sind außerdem Gewalt, Zwangsvertreibung und dem Verlust wichtiger Lebensgrundlagen und begrenztem Zugang zu Grundversorgungsleistungen ausgesetzt.

![LEBEM IM ZELT. Bashir, 14, und seine Familie wurden vom Konflikt und der Dürre vertrieben. Sie leben in einer Zeltsiedlung in der Provinz Badghis. Foto: Enayatullah Azad/NRC ](https://www.nrc-hilft.de/globalassets/germany/neuigkeiten/_sam9446.jpg)

## **#2: Pro Minute muss in Afghanistan ein Mensch aufgrund des Konflikts fliehen.**

Laut OCHA werden im Jahr 2018 schätzungsweise 500.000 weitere Menschen aus Afghanistan vor dem Konflikt fliehen müssen. Über die Hälfte von ihnen wird unter 18 sein.

Zudem könnten bis zu 300.000 Menschen durch die Dürre entwurzelt werden, darunter auch ein Teil der bereits im Vorjahr vertriebenen Menschen.

![DER DRITTE WINTER. Nazia, 11, kümmert sich in einer der inoffiziellen Siedlungen in Kabul um ihre kleine Schwester Palwasha, die in eine dicke Decke eingewickelt ist. Die Kinder erleben bereits ihren dritten Winter in dieser Siedlung. Foto: Enayatullah Azad/NRC ](https://www.nrc-hilft.de/globalassets/germany/neuigkeiten/nrc-enayatullah-azad-12-of-30.jpg)

## **#3: Über eine Million Vertriebene leben in inoffiziellen Siedlungen.**

Über 1,2 Millionen Binnenvertriebene in ganz Afghanistan leben in inoffiziellen Siedlungen. Über die Hälfte sind Kinder.

Bis zu zwei Drittel aller Vertriebenen außerhalb ihrer Heimatprovinz ziehen in die fünf Regionalhauptstädte Kabul, Nangarhar, Kandahar, Balkh und Herat.

![KLIRRENDE KÄLTE. Mohammad, Dunya und Naseema versuchen, sich am offenen Feuer zu wärmen. Ihre Familien wurden vom Konflikt und der Dürre vertrieben. Derzeit leben sie in sie in einer Zeltsiedlung in der Provinz Badghis. Foto: Enayatullah Azad/NRC ](https://www.nrc-hilft.de/globalassets/germany/neuigkeiten/_sam9514.jpg)

## **#4: Sechs von zehn Menschen, die humanitäre Hilfe und Schutz brauchen, sind Kinder.**

6,3 Millionen Menschen brauchen irgendeine Form von humanitärer Hilfe und Schutz. 60 Prozent davon sind Kinder. Darunter sind 3,7 Millionen mit hohem, akutem Bedarf.

![KEINE SCHULBILDUNG. Agha Omar, 12, schaufelt den Schnee rund um das provisorische Zelt in Kabul. Keins der Kinder auf dem Foto geht zur Schule. Foto: Enayatullah Azad/NRC ](https://www.nrc-hilft.de/globalassets/germany/neuigkeiten/nrc-enayatullah-azad-23-of-30.jpg)

## **#5: 3,7 Millionen Kinder gehen nicht mehr zur Schule**

60 Prozent der 3,7 Millionen Kindern in Afghanistan, die nicht mehr zur Schule gehen, sind Mädchen. In manchen Provinzen gehen 85 Prozent der Mädchen nicht zur Schule.

Über 1.000 Schulen mussten aufgrund der unsicheren Lage im Jahr 2018 geschlossen werden. Über 545.000 Kinder waren davon betroffen.

Lesen Sie dazu auch den Bericht von NRC Flüchtlingshilfe [*Education in Emergencies, Children in Distress.*](https://www.nrc-hilft.de/globalassets/pdf/reports/education-in-emergencies-children-in-distress/nrc-education_in_emergencies-report-full-screen.pdf) (englisch)

![VON NAHRUNGSMITTELHILFE ANHÄNGIG. Nazoo, 36, und ihre Familie musste ihr Zuhause wegen des Konflikts und der Dürre verlassen. Jetzt leben sie in einer Zeltsiedlung außerhalb der Hauptstadt Badghis und sind zum Überleben auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Foto: Enayatullah Azad/NRC ](https://www.nrc-hilft.de/globalassets/germany/neuigkeiten/365a1487.jpg)

## **Nr. 6: 4,5 Millionen Menschen benötigen dringend Nahrungsmittel und Hilfe für ihren Lebensunterhalt.**

Die verschlechterte Sicherheitslage und die schlimmste Dürre seit Bestehen haben zu einer weitreichenden Ernährungsunsicherheit geführt. Nach Schätzungen von OCHA benötigen im Jahr 2019 insgesamt 4,5 Millionen Menschen dringend Nahrungsmittel und Unterstützung für den Lebensunterhalt.

![TOCHTER GESTORBEN. Sultana (in Blau) musste vor Kurzem ihre jüngste Tochter begraben. „Wir kamen hierher und schliefen unter freiem Himmel, wir hatten lediglich eine Plane über uns. Meine Tochter bekam eine Lungenentzündung. Dann starb sie“, erzählt die junge Mutter unter Tränen. Foto: Enayatullah Azad/NRC ](https://www.nrc-hilft.de/globalassets/germany/neuigkeiten/365a1131.jpg)

## **#7: Drei von zehn haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung**

Insgesamt haben 30 Prozent aller Menschen in Afghanistan keinerlei Zugang zu medizinischer Versorgung. Diejenigen, die in schwer zugänglichen Regionen leben, sind davon am ehesten betroffen.

## **#8: Über 2.000 Kinder wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 getötet oder verletzt**

Obwohl die Anzahl der Kinder, die getötet oder verletzt wurden, insgesamt zurückgegangen ist, ist die Zahl mit 2.136 Opfern immer noch extrem hoch. Besonders besorgniserregend ist die ansteigende Zahl der Todesfälle durch Luftangriffe und Selbstmordattentate, die mittlerweile bei 49, bzw. 10 Prozent liegt.

![ANGRIFFE AUF SCHULEN. Das Foto zeigt Schüler, die an unserem beschleunigten Lernprogramm in der Provinz Nangahar im Osten Afghanistans teilnehmen. In derselben Provinz wurde eine andere Schule, die Malikyar Hotak High School, im Juni 2018 angegriffen. Unbekannte Männer drangen in die Schule ein, enthaupteten drei Wachen und setzten den Verwaltungsblock in Brand. Foto: Sandra Calligaro/NRC ](https://www.nrc-hilft.de/globalassets/germany/neuigkeiten/afg_2016-09-29_0808.jpg)

## **#9: Kinder tragen psychischen Schaden davon**

Zusätzlich zu den körperlichen Verletzungen, die Kinder erleiden, sind auch die psychischen Schäden durch die erlebten Stresssituationen erheblich. Kinder, die Zeugen extremer Gewalt waren, einschließlich Morde oder Verstümmelungen an Familienmitgliedern, berichten häufig von gestörten Erinnerungen, Schlafstörungen, Stummheit, Konzentrationsschwierigkeiten und aggressivem Verhalten. Nur 2 von 10 haben Zugang zu psychologischer Unterstützung.

![KEINE ZUKUFNT. Naqibullah, 13, floh vor fast drei Jahren mit seiner Familie aus der Provinz Kunduz. Anstatt zur Schule zu gehen, fährt er mit dem Fahrrad durch Kabul und sammelt Abfall, um seiner Familie zu helfen. „Es gibt keine Hoffnung und ich habe keine Zukunft, wenn ich weiter so leben muss. Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussehen wird. Vielleicht werde ich einfach ein Arbeiter sein.“ Foto: NRC/Enayatullah Azad ](https://www.nrc-hilft.de/globalassets/germany/neuigkeiten/_sam1200.jpg)

## **#10: Über die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze**

Schätzungsweise 54 Prozent der afghanischen Bevölkerung leben derzeit unterhalb der Armutsgrenze (was einem Anstieg von 16 Prozent über die letzten fünf Jahre entspricht). Zudem wird erwartet, dass bis zum Jahr 2025 480.000-600.000 junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten werden. Das ist weit mehr, als die Wirtschaft aufnehmen kann. Etwa 500.000 junge Männer sind schon jetzt arbeitslos und 71 Prozent der jungen Menschen nennen Arbeitslosigkeit als ihr größtes Problem.

**Quelle: [OCHA-Bericht](https://www.unocha.org/global-humanitarian-overview-2020)**[***Humanitarian Needs Overview 2019.***](https://www.unocha.org/global-humanitarian-overview-2020)

[Weitere Geschenke](https://www.nrc-hilft.de/gutes-tun-webshop)
