Ein Zuhause – fern der Heimat

7 Gründe, warum ein Zuhause so wichtig ist

In einer Wohnung zu leben, die Fenster und Türen hat und Privatsphäre bietet, ist ein Luxus, den die meisten von uns gar nicht hinterfragen. Für Millionen vertriebene Familien ist das jedoch keine Selbstverständlichkeit.

Seit der Krieg in Syrien ihre Familie vor neun Jahren zur Flucht in den benachbarten Libanon zwang, lebt Safaa, 45, in ständiger Ungewissheit und in Sorge darüber, wo sie mit ihren sieben Kindern wohnen soll. Letztes Jahr sorgte NRC Flüchtlingshilfe jedoch dafür, dass die Familie in eine Dreizimmerwohnung mit Bad und Küche ziehen konnte.

„Nun sind wir in Sicherheit und müssen uns keine Sorgen darüber machen, dass wir plötzlich hinausgeworfen werden. Endlich haben wir das Gefühl zu leben, nicht bloß zu existieren. Wir können wieder auf eine bessere Zukunft hoffen“, sagt Safaa.

 

Was ein Zuhause für eine Familie auf der Flucht bedeutet

1. Bessere Chancen auf ein Einkommen
Wenn man vor Krieg oder Verfolgung fliehen musste, ist die Möglichkeit zu arbeiten und Geld zu verdienen eins der wirksamsten Mittel, sein Leben wieder aufzubauen und in Würde zu leben.

Ohne richtiges Zuhause ist es für vertriebene Familien sehr schwierig oder sogar unmöglich, eine bezahlte Beschäftigung zu finden. Viele leben in Flüchtlingslagern oder inoffiziellen Siedlungen weit entfernt von Städten und Märkten und können es sich nicht leisten zu reisen. Anderen fehlen die nötigen Papiere, die sie brauchen, um legal arbeiten zu können. Wenn man jedoch einen festen Wohnsitz hat, bedeutet das Stabilität und bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz.

2. Es ist einfacher, seine Kinder zur Schule zu schicken
Plötzlich kein Einkommen mehr zu haben, bedeutet, dass viele Eltern es sich nicht mehr leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Ohne ein gutes Zuhause ist es für die Kinder schwer, sich auf ihre Schul- und Hausaufgaben zu konzentrieren. Derzeit brauchen über 75 Millionen Kinder in Krisen- und Konfliktländern Unterstützung im Bereich Schulbildung.

3. Besseren Zugang zu medizinischer Versorgung
Wenn man kein richtiges Zuhause hat, ist es schwierig, Zugang zu medizinischer Versorgung und anderen Dienstleistungen zu bekommen. Viele Vertriebene leben in Lagern oder inoffiziellen Siedlungen ohne oder mit nur eingeschränktem Zugang zu medizinischer Versorgung. Andere haben nicht die nötigen Ausweispapiere oder andere wichtige Dokumente, die für den Zugang zu medizinischer Versorgung und anderen Dienstleistungen nötig sind.

4. Mehr Schutz für Kinder
Ein gutes Zuhause bietet Schutz. Kinder sind weniger von Gewalt und sexuellem Missbrauch bedroht. Es ist weniger wahrscheinlich, dass sie zu Kinderarbeit oder einer frühen Heirat gezwungen oder von bewaffneten Gruppen rekrutiert werden.

5. Besserer Zugang zu humanitärer Hilfe
Ein fester Wohnsitz bedeutet für Flüchtlinge besseren Zugang zu humanitärer Hilfe. Es ist leichter, Hilfe von den Behörden und Hilfsorganisationen zu erhalten und es ist umgekehrt auch für die humanitären Organisationen leichter, Menschen in Not zu erreichen.

6. Geringere psychische Belastung
Ein sicheres und gutes Zuhause verringert das Risiko von psychischem Stress. Viele vertriebene Kinder sind durch die Konflikte, die sie erlebt haben, traumatisiert. Ohne Schule und ein stabiles Lebensumfeld kann der Zustand dieser Kinder sich verschlechtern und sie könnten die Chance verpassen, Unterstützung zu bekommen.

Selbst die geringste Unterstützung für Unterkünfte und Siedlungen kann für konflikt- und katastrophenbetroffene Gemeinden zu einem Gefühl der Normalität beitragen.

7. Leichtere Integration
Ein Zuhause zu haben erhöht die Chancen für vertriebene Familien, eine starke soziale, wirtschaftliche und kulturelle Bindung zu ihrer Gastgebergemeinde aufzubauen. Wenn Menschen in die lokale Gemeinde einbezogen und integriert werden, sind sie eher in der Lage, ihr Leben wieder aufzubauen und in Würde zu leben.

Einem kürzlich von InterAction veröffentlichten Bericht (Englisch) zufolge erleben 46 Prozent aller im Libanon lebenden Familien, die von einer Verbesserung ihrer Wohnsituation profitiert haben, eine Verringerung der Spannungen und mehr Mitgefühl und Vertrauen seitens der Gemeinde.

Auch wenn die meisten vertriebenen Familien in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren wollen, zeigen Zahlen der Vereinten Nationen, dass acht von zehn der 26 Millionen Flüchtlinge weltweit seit über fünf Jahren als Vertriebene im Ausland leben.

Für vertriebene Kinder: Vertriebene Kinder sind in größter Gefahr. Sie können den Kleinen einen besseren Start ins Leben ermöglichen.

Das Recht auf eine angemessene Unterkunft

Die internationalen Menschenrechtsnormen „erkennen das Recht eines jeden auf einen angemessenen Lebensstandard an, einschließlich ausreichender Unterbringung“.

In den Leitlinien der Vereinten Nationen heißt es: „Menschen auf der Flucht, seien es Flüchtlinge, Asylsuchende, Binnenvertriebene oder Migrierende, sind besonders gefährdet für eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen, einschließlich Verletzungen des Rechts auf angemessene Unterkunft. Vertriebene sind auch besonders anfällig für Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, was ihre Fähigkeit, nachhaltige und angemessene Lebensbedingungen zu schaffen, weiter beeinträchtigen kann.“

Lesen Sie hier mehr darüber (Englisch).