Bildung unter Beschuss

Wenn Kinder und Lehrkräfte zur Zielscheibe werden

Über 22.000 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte wurden in den letzten fünf Jahren bei Angriffen auf Bildungseinrichtungen getötet oder verletzt.

Laut GCPEA (Global Coalition to Protect Education from Attack – Globale Koalition zum Schutz der Bildung) und dem Bericht Education under Attack 2020 (Bildung unter Beschuss 2020) finden weltweit zahlreiche Angriffe auf das Bildungswesen statt.

NRC Flüchtlingshilfe ist in einigen der Länder im Einsatz, die am stärksten davon betroffen sind. Unsere Mitarbeitenden sehen jeden Tag, wie Angriffe auf die Bildung nicht nur einzelnen Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften schaden, sondern auch die Gemeinden noch für Jahre beeinträchtigen.

„Angriffe auf Schulen und Lernende sind Angriffe auf die Zukunft eines Landes. Sie zerstören nicht nur die Lern- und Entwicklungschancen der Kinder, sie können auch psychosoziale Probleme verursachen“, sagt Annelies Ollieuz, die bei NRC Flüchtlingshilfe den Bereich Bildung leitet.

Wenn Schulgebäude und Lehrmaterial Angriffen zum Opfer fallen und Kinder und Lehrkräfte in ständiger Angst leben, sind Schulen und Universitäten in Konfliktgebieten oft gezwungen, ihre Tore zu schließen. Manche Schülerinnen und Schüler setzen ihre Ausbildung nie fort, was ihre langfristige Entwicklung behindert.

Lesen Sie hier mehr über unsere Arbeit im Bereich Bildung.

Was Sie tun können:

Mit Ihrer Unterstützung können wir beschädigte Schulen sanieren und neue Gebäude bauen. Gleichzeitig wollen wir sichere Lernumgebungen schaffen, Angriffe auf Schulen verhindern und Schulgebäude davor bewahren, für militärische Zwecke missbraucht zu werden.

Diese zehn Dinge sollten Sie über Angriffe auf die Bildung wissen:

Lesen Beschriftung GAZA. Palästinensische Schüler inspizieren ein Klassenzimmer, das durch israelische Luftangriffe während der 11-tägigen Eskalation der Gewalt zwischen Israel und der Hamas im Mai 2021 zerstört wurde. Bei dem Bombardement wurden 66 Kinder getötet. Bild: Majdi Fathi/NurPhoto/Shutterstock

1. Bombenanschläge, Mord und Vergewaltigung

Der Bericht Education under Attack 2020 untersucht sieben Arten von Angriffen:

  • Angriffe auf Schulen
  • Angriffe auf Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und anderes Schulpersonal
  • Militärische Nutzung von Schulen und Universitäten
  • Rekrutierung von Kindern in der Schule oder auf dem Schulweg
  • Sexualisierte Gewalt in der Schule oder Universität oder auf dem Weg dorthin
  • Angriffe auf höhere Bildung
  • Gezielte Angriffe auf Mädchen und Frauen
Lesen Beschriftung AFGHANISTAN. Nazir, 13, fährt an seiner Schule vorbei, die im November letzten Jahres von einer Autobombe zerstört wurde. NRC Flüchtlingshilfe hat die zerstörten Klassenräume wieder aufgebaut, die Schule wurde jedoch im Juni 2021 erneut angegriffen und zerstört. Foto: Enayatullah Azad/NRC Flüchtlingshilfe

2. Über 11.000 Angriffe

Zwischen 2015 und 2019 fanden über 11.000 einzelne Angriffe auf Bildungseinrichtungen, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte statt.

Lesen Beschriftung JEMEN. Schüler sitzen auf dem Boden des halb eingestürzten Gebäudes der Shuhada-Alwahdah-Schule im Südjemen. Foto: Mohammed Mohammed/Xinhua/NTB

3. Angriffe in 93 Ländern

Die Anzahl der Länder, in denen Angriffe auf die Bildung stattfinden, hat sich in den letzten fünf Jahren auf 93 erhöht. Auf dieser Karte sehen Sie die am stärksten betroffenen Länder.

Lesen Beschriftung BURKINA FASO. Kinder beim Sicherheitstraining in einer Schule in Burkina Faso. So werden die Kinder auf mögliche Angriffe durch bewaffnete Gruppen vorbereitet. Foto: Sam Mednick/AP/NTB

4. Weitere Länder

In neuen Ländern, darunter Guinea und Nicaragua, sind Angriffe auf das Bildungswesen zu verzeichnen. In Burkina Faso und Niger, die bisher nur marginal betroffen waren, haben die Angriffe stark zugenommen, was zur Schließung von über 2.000 Schulen geführt hat.

Lesen Beschriftung SYRIEN. Kinder beim Spielen auf dem Hof einer Schule, die während der Kämpfe in Idlib teilweise zerstört wurde. Foto: Ibrahim Yasouf/AFP/NTB

5. Die am stärksten betroffenen Länder

Die Anzahl an Angriffen auf die Bildung ist im Jemen und in der Demokratischen Republik Kongo mit 1.500 dokumentierten Angriffen auf Schulen in fünf Jahren nach wie vor alarmierend hoch. In Afghanistan, Palästina und Syrien wurden jeweils über 500 Angriffe registriert.

Lesen Beschriftung NIGER. Abubakar Tegina, Schulleiter und Besitzer der Schule, erklärt, wie sich bewaffnete Männer im August dieses Jahres Zugang zu seiner Schule verschafft haben. Foto: Afolabi Sotunde/REUTERS/NTB

6. Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte werden unmittelbar angegriffen

In Afghanistan, Kamerun und Palästina wurden Kinder und Lehrkräfte am häufigsten Opfer von direkten Angriffen. In Kamerun wurden über 1.000 Schulkinder, Studierende und Personal von bewaffneten Gruppen oder staatlichen Streitkräften bedroht, entführt, verletzt oder getötet.

Lesen Beschriftung JEMEN. Ein jemenitischer Mann steht neben den Blutflecken am Schauplatz eines Bombenangriffs dem Universitätsgelände der Hauptstadt Sana’a, Mai 2016. Foto: Mohammed Huwais/AFP/NTB

7. Höhere Bildung unter Beschuss

Angriffe auf höhere Bildungseinrichtungen wurden in insgesamt 73 Ländern und in 36 der 37 im Bericht vorgestellten Länder verzeichnet. Zwischen 2015 und 2019 wurden über 9.100 Studierende und Mitarbeitende von Hochschulen verletzt, getötet, entführt oder verhaftet.

Lesen Beschriftung ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK. Ein senegalesischer Soldat der Mission der Vereinten Nationen geht in Stellung, um auf einen heftigen Schusswechsel in einer Schule in Bangui zu reagieren, in der sich die Wählenden für ein Verfassungsreferendum im Dezember 2015 versammelt haben. Foto: Marco Longari/AFP/NTB

8. Schulen werden für militärische Zwecke missbraucht

Eine wesentliche – und vermeidbare – Ursache für Angriffe auf das Bildungswesen ist die Nutzung von Schulen für militärische Zwecke. Bewaffnete Streitkräfte, andere staatliche Akteure und bewaffnete Gruppen missbrauchten zwischen 2015 und 2019 in 34 Ländern Schulen und Universitäten für militärische Zwecke, unter anderem als Stützpunkte, Gefangenenlager und Waffenlager.

Lesen Beschriftung NIGERIA. Schüler der Tegina’s Salihu Tanko Islamic School, die im Juni 2012 von bewaffneten Männern entführt worden waren, kommen nach ihrer Freilassung im August in der staatlichen Einrichtung an. Foto: REUTERS/NTB

9. Schulen zum Anwerben von Kindersoldaten genutzt

Schulen werden auch gezielt zur Rekrutierung von Kindern genutzt. In den vergangenen fünf Jahren haben bewaffnete Gruppen und staatliche Streitkräfte Berichten zufolge in 17 Ländern Kinder aus Schulen rekrutiert. In Somalia haben nach Angaben der Vereinten Nationen bewaffnete Gruppen im Jahr 2017 mindestens 280 Kinder aus Schulen rekrutiert.

Lesen Beschriftung DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO. Ombeni mit ihrem vierjährige Sohn Daniel auf ihrem Weg zur Schule. Zuvor wurde sie von einer bewaffneten Gruppe monatelang gefangen gehalten und vergewaltigt. Nun ist sie in ihrem letzten Schuljahr und hofft, anschließend studieren zu können. Foto: Michael Macsweeney/REX/NTB

10. Mädchen und Frauen werden zur Zielscheibe

Von Angriffen auf das Bildungswesen sind insbesondere weibliche Schüler und Lehrkräfte betroffen. Nach dem Bericht der GCPEA wurden zwischen 2015 und 2019 in mindestens 21 Ländern Frauen und Mädchen gezielt aufgrund ihres Geschlechts Opfer von Angriffen.

Schwangerschaft infolge von Vergewaltigung, die gesundheitlichen Folgen und die Stigmatisierung durch die sexualisierte Gewalt, das Risiko einer frühen Eheschließung und die Bevorzugung der Ausbildung von Jungen gegenüber der von Mädchen machen es für Mädchen besonders schwierig, in die Schulen zurückzukehren.

Safe Schools Declaration (Erklärung zum Schutz von Schulen in bewaffneten Konflikten)
  • Im Mai 2015 fand in Norwegen die Oslo Conference on Safe Schools, eine internationale Konferenz zum Schutz von Kindern und Bildung während bewaffneter Konflikte statt.
  • Norwegen war federführend bei der Ausarbeitung einer Erklärung zum Schutz der Bildung in Konfliktgebieten, zusammen mit Argentinien, mehreren anderen Ländern und einer Reihe von zivilgesellschaftlichen Organisationen.
  • Ziel der Erklärung ist es, Angriffe auf Bildungseinrichtungen zu verhindern.
  • Länder, die die Erklärung unterzeichnen, verpflichten sich, die Richtlinien zum Schutz von Schulen und Universitäten vor militärischer Nutzung während bewaffneter Konflikte anzuwenden.
  • Ganz allgemein zielt die Erklärung darauf ab, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass bewaffnete Konflikte derzeit Millionen Kinder am sicheren Zugang zu Schulen hindern.
  • Die Liste der 109 Länder (Stand Juni 2021), welche die Safe Schools Declaration unterzeichnet haben, umfasst mehrere der Länder, in denen Angriffe auf Bildungsanrichtungen am häufigsten vorkommen.
  • Mit dem Unterzeichnen der Erklärung verpflichten sich die Länder, konkrete Schritte zu unternehmen, um das Bildungswesen in bewaffneten Konflikten zu schützen, unter anderem durch Anwendung der Leitlinien zum Schutz von Schulen und Universitäten vor militärischer Nutzung. Die Hälfte der Länder, die im Bericht Education under Attack 2020 porträtiert werden, zählen nicht zu den Unterzeichnern.