A returnee villagers house  rehabilitated with the support of NRC

Photo: Nasser Abdulkareem

DIY in einem Land im Krieg

Als der Krieg über dieses jemenitische Dorf hereinbrach, waren die Menschen zur Flucht gezwungen. Bei ihrer Rückkehr fanden sie ihre Häuser schwer beschädigt vor. NRC Flüchtlingshilfe unterstützte Familien mit Bargeld, damit sie ihre vom Krieg zerstörten Häuser wieder aufbauen konnten.

Ghaleb Mohammed Al-Faqeeh, ein Mann in den späten Fünfzigern, ist zehnfacher Vater. Früher arbeitete er als Bauer in seinem Dorf südlich von Taiz. Er besaß ein Auto und ein Motorrad, mit denen er Waren aus der Stadt in sein Dorf transportierte, um etwas Geld zusätzlich zu verdienen. Als der Krieg sein Dorf erreichte, verlor er alles.
„Ich blieb in meinem Haus, als die Kämpfe hier ankamen, aber einige Kämpfer drohten, mich zu töten und mein Haus zu sprengen, wenn ich nicht ginge, also verließen meine Familie und ich das Dorf und ließen alles zurück“, sagt Ghaleb.
Er floh nach Al-Qabilah und arbeitete dort in einer Bäckerei. Die Familie kam gerade so über die Runden, konnten sich aber weder Möbel noch andere Dinge leisten. „Meine Frau versuchte, in unser Dorf zurückzukehren, um ein paar unserer Sachen zu holen, aber ein Scharfschütze schoss sie ins Bein und verletzte sie, bevor sie unser Haus erreichte“, erzählt Ghaleb.


Alle Hoffnung zerstört

„Sie versuchte es ein zweites Mal zusammen mit unserem Sohn, aber als sie ins Dorf kamen, traten sie auf eine Mine. Sie explodierte und beide starben.“

Ghaleb holte die Leichen seiner Frau und seines Sohnes und begrub sie. Er leidet sehr unter dem Verlust und hat Schuldgefühle, weil er seine Frau ins Dorf zurückkehren ließ.

„Alle meine Hoffnungen wurden zerstört, als meine Frau und mein Sohn starben“, sagt Ghaleb.

Ghaleb holding photos of his wife and son who were killed by an exploding landmine.
Lesen Beschriftung Ghaleb mit Fotos seiner Frau und seines Sohnes, die durch eine Landmine getötet wurden, als sie ins Dorf zurückkamen, um ein paar ihrer Habseligkeiten zu holen. Foto: Nasser Abdulkareem/NRC

Reparaturarbeiten

Als die Kämpfe in Ghalebs Dorf vorüber waren, konnte er nicht in sein Haus zurückkehren, da das Dach, die Fenster und die Tür beschädigt waren. Die Reparaturen konnte er sich nicht leisten.

„Ich hatte kein Geld, um mein Haus zu reparieren, aber als ich hörte, dass NRC Flüchtlingshilfe Menschen unterstützte, die ins Dorf zurückkehrten, ging ich ohne meine Kinder ins Dorf, um das Haus zu reparieren. Ich brachte zunächst ein Zimmer wieder in Ordnung, in dem ich dann wohnte, während der Rest des Hauses repariert wurde.“


Wieder vereint im alten Zuhause

Mit der Unterstützung des Yemen Humanitarian Fund (YHF) hat NRC Flüchtlingshilfe 150 Familien im Distrikt Al-Silw mit 2.300 US-Dollar (2.100 Euro) und 171 weitere Familien mit 575 US-Dollar (525 Euro) ausgestattet, um ihre beschädigten Häuser zu reparieren. Die Bargeldhilfe ermöglichte es den Familien, die Reparaturarbeiten selbst in die Hand zu nehmen.

„Wir bekamen von NRC Flüchtlingshilfe genug Geld, um Fenster, Holz, Zement und anderes Material zu kaufen, um das Haus wieder bewohnbar zu machen. Ich habe die Reparaturen selbst ausgeführt“, sagt Ghaleb.

„Ohne NRC Flüchtlingshilfe hätte ich mir noch nicht einmal ein einziges Fenster leisten können. Das Haus ist jetzt fast fertig, und meine Kinder kommen bald zurück und dann sind wir wieder vereint.“

Ghaleb Mohammed Al-Faqeeh, in his late 50s, is a father of 10. He used to work as a farmer before the war reached his village south of Taiz city.

Besides his work as a farmer Ghaleb used to own a car and a motorcycle which he used to transport goods from the city to residents in his village.  But he lost everything when the war reached his village.

“I didn’t flee my house when the battles arrived but some fighters threatened to kill me and blow up my house if I didn’t leave so my family fled the village and left everything behind,” Ghaleb says.

He fled to Al-Qabilah village and there he worked as a labourer in a bakery. He was just about able to make ends meet but could not afford furniture and many other things for his displaced family.

“My wife tried to return to our village to bring back some belongings but a sniper shot her in the leg and injured her before she could get to the house,” Ghaleb recalls.

“She tried to go back a second time with our son but as they were entering the village they stepped on a landmine which exploded and killed them both.”

Ghaleb collected the remains of his wife and son and buried them.  He suffered from a lot of regret and guilt for letting his wife and son return to the village.

“I didn’t only lose my house and car but all my hopes were dashed after the death of my wife and son,” Ghaleb says.

When the fighting in Ghaleb’s village ended, he was not able to return to his house as the roof, windows and the door were damaged. He couldn’t afford to pay for the rehabilitation of his home.

“I didn’t have money to fix my house but when I heard that the Norwegian Refugee Council was helping people who were returning to the village to rehabilitate their houses, I went back to my village without my children to repair the house.  I started by fixing up one room which I stayed in while the rest of the house was being repaired.

 “NRC provided us with enough money to buy windows, wood, cement and other materials needed to rehabilitate the house and I did the repairs myself.

“If it wasn’t for NRC, I wouldn’t have been able to even afford one window. The house is almost ready now, and soon my children will return and we will be reunited as a family in our home.”

“I thank NRC for supporting my family to return to our home.”

Photo and text: Nasser Abdulkareem/NRC
Lesen Beschriftung Ghaleb mit einem Mitglied des NRC Flüchtlingshilfe-Teams nach seiner Rückkehr in sein Dorf. Foto: Nasser Abdulkareem/NRC

Rückkehr nach Hause

Als wir die Region besuchten, war sie fast menschenleer. Die meisten Einwohner hatten keine Ersparnisse und mussten den größten Teil ihres Besitzes verkaufen, um während der Vertreibung ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Als sich herumsprach, dass wir die Menschen bei der Reparatur ihrer Häuser unterstützen, begannen sie zurückzukehren.

Ein Zuhause vermittelt ein Gefühl der Zugehörigkeit, Sicherheit und Geborgenheit. Nun, da Ghalebs Familie zurückgekehrt ist, können sie ihr altes Leben wieder aufbauen und in die Zukunft blicken.

Die Vertreibungssituation

Der Krieg im Jemen hat laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 3,65 Millionen Menschen innerhalb des Landes gewaltsam vertrieben. Darunter sind fast 400.000 Menschen, die im Jahr 2019 neu vertrieben wurden.

Zusätzlich sind 1,28 Millionen in ihre Heimat oder ihre Herkunftsgebiete zurückgekehrt. Darunter befinden sich 150.000 Menschen im Gouvernement Taiz, aus dem auch Ghaleb stammt. Die Zurückgekehrten benötigen Lebensmittel und finanzielle Unterstützung sowie Zugang zu Einkommen und Unterkünften.

Die Gründe für die Rückkehr der Menschen sind unterschiedlich. Manche sind zurückgekehrt, weil sie das Gefühl hatten, die Sicherheitslage in ihren Heimatstädten habe sich verbessert und sie kommen zurück, um ihre Häuser und ihre Existenzgrundlage zurückzugewinnen. Andere wurden durch die katastrophalen Lebensbedingungen in den Vertreibungsgebieten zur Rückkehr gedrängt. Ein weiterer Grund ist, dass viele sich die Mietkosten nicht länger leisten können. Manche haben ihre Rückkehr in Erwägung gezogen, fanden die Sicherheitslage dann aber schlechter vor, als sie erwartet hatten. Andere sind zurückgekehrt und haben versucht, ihr Leben wieder aufzubauen, wurden dann aber erneut vertrieben.

Der Konflikt im Jemen hat zum Zerfall der Grundversorgung einschließlich medizinischer Versorgung und Bildung geführt, und die Wirtschaft steht vor dem Zusammenbruch. Viele der Vertriebenen, mit denen wir gesprochen haben, sagen, dass sie gerne nach Hause zurückkehren würden, dafür aber bestimmte Bedingungen gegeben sein müssten. Diese Bedingungen beinhalten das Ende des Krieges und die Garantie, dass sie in Sicherheit sind, Unterstützung beim Wiederaufbau ihrer Häuser sowie Zugang zu medizinischer Versorgung, Bildung, Grundversorgung und Arbeit erhalten.