En man sitter bland rasmassorna efter omfattande förstörelse. I bakgrunden syns sönderbombade byggnader och stora mängder bråte.
Alaa Shomar sitzt auf den Trümmern seines zerstörten Hauses in Gaza-Stadt. Foto: NRC

Gaza: Israelische Beschränkungen verzögern Winterhilfen um sieben Monate

Ein Jahr nach dem Abkommen über einen Waffenstillstand im Gazastreifen warnt das Norwegian Refugee Council (NRC), dass anhaltende israelische Beschränkungen und Finanzengpässe 1,65 Millionen Menschen dazu zwingen werden, den vierten Winter in Folge in heruntergekommenen Zelten und kriegsbeschädigten Gebäuden zu verbringen. Dabei sind sie Regen und Kälte schutzlos ausgeliefert.
Pressemitteilung
Mittlerer Osten Palästina
Veröffentlicht 05. Okt. 2026

Derzeit lassen die israelischen Behörden wöchentlich nur 15 Lastwagen mit Gütern, die für Gaza bestimmt sind und die sie als „Dual-Use-Güter“ bezeichnen, aus Jordanien passieren. Dies gilt für alle humanitären Bereiche. Zu diesen Gütern gehören Zelte und Planen, die nur an einem Tag pro Woche in Kerem Shalom, dem einzigen offenen Landübergang für Hilfsgüter, entladen werden dürfen.

Mindestens 500 Lastwagenladungen mit von Israel als „Dual-Use“ eingestuften Hilfsgütern für Unterkünfte müssen nach Gaza gelangen, damit sich die Menschen dort auf den Winter vorbereiten können. Selbst unter den bestmöglichen Bedingungen würde es beim derzeitigen Tempo sieben Monate dauern, diese Materialien nach Gaza zu bringen.

„Man kann von den Palästinenser*innen in Gaza nicht erwarten, dass sie einen weiteren Winter in abgenutzten und durchlöcherten Zelten überstehen, die für solche Bedingungen nie ausgelegt waren. Es handelt sich dabei nicht um eine unvermeidbare Naturkatastrophe, sondern um eine vom Menschen verursachte humanitäre Krise. Denn die Besatzungsmacht blockiert lebensrettende Hilfe in Form von Unterkünften“, sagt Jan Egeland, Generalsekretär des NRC. „Israel ist verpflichtet, humanitäre Hilfe zu ermöglichen, und die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen sind verpflichtet, darauf zu drängen, dass alle Übergänge für jegliche Hilfslieferungen geöffnet werden. Geber müssen unsere Hilfsmaßnahmen für Unterkünfte dringend finanzieren.“

Fast 300.000 Familien werden diesen Winter Unterstützung bei der Unterbringung benötigen. Bislang haben Geber jedoch nur 34 Prozent der für die Mindestversorgung mit Unterkünften in diesem Winter erforderlichen 283 Millionen US-Dollar (ca. 252,6 Millionen Euro) bereitgestellt oder zugesagt. Es fehlen somit 186,6 Millionen US-Dollar. Die aktuellen Bestände und die derzeit auf dem Weg befindlichen Materialien reichen nur aus, um rund 52.000 Familien teilweise mit Unterkünften und Haushaltsgegenständen zu versorgen.

Die israelischen Behörden blockieren weiterhin die Einfuhr von Materialien, die für Reparaturen sowie den Bau widerstandsfähiger Unterkünfte benötigt werden. Dazu zählen unter anderem Holz, Zement und Metallbleche. Zwei Drittel der Bevölkerung im Gazastreifen leben in Zelten und provisorischen Unterkünften, die bereits nach wenigen Monaten verfallen. Dadurch sind die humanitären Hilfskräfte in einen endlosen Kreislauf des Ersetzens abgenutzter Zelte und Planen gefangen.

Ein gravierender Mangel an schweren Maschinen, Motoröl und Treibstoff behindert zudem die Bemühungen, Überschwemmungen in den Lagern für Vertriebene zu verhindern. Schätzungsweise 950.000 Menschen leben in Lagern, die einem mittleren oder hohen Hochwasserrisiko ausgesetzt sind. Da Palästinenser*innen auf lediglich rund 35 Prozent des Gazastreifens beschränkt sind, lässt die starke Überbelegung kaum Raum für eine freiwillige Umsiedlung von Menschen aus überschwemmungsgefährdeten Gebieten.

„Der Winter im Zelt ist nicht nur eine Jahreszeit, sondern ein Albtraum“, sagt Nesma Al-Sallaq, Unterbringungskoordinatorin von NRC im Gazastreifen. „Eltern erzählen uns, dass sie nachts nicht schlafen können, weil sie sich große Sorgen machen, ihre Kinder warm zu halten und vor Überschwemmungen zu schützen. Jeder Regentropfen erfüllt ihre Herzen mit Angst. Die Materialien sind begrenzt, doch unser Einsatzteam unternimmt alle Anstrengungen, um die vorhandenen Ressourcen bestmöglich zu nutzen und die am stärksten gefährdeten Familien zu erreichen.“

Hinweise für die Redaktionen: 

  • Fotos und B-Roll stehen hier zur freien Verfügung.
  • Die israelischen Behörden stufen wichtige Hilfsgüter für Unterkünfte als „Dual-Use“-Güter ein. Dazu zählen Zelte, Planen, Holz, Zement, Werkzeuge und weitere Materialien, die für den Bau von Unterkünften oder deren Reparatur verwendet werden. Durch diese Einstufung wurde die Einfuhr entscheidender Hilfsgüter in ausreichender Menge verzögert oder gar blockiert.
  • Die israelischen Behörden lassen wöchentlich lediglich 15 Lastwagen mit Gütern, die sie als „Dual-Use-Güter“ einstufen, aus Jordanien in den Gazastreifen ein. Dies gilt für alle humanitären Bereiche (Palestine Shelter Cluster).
  • Der von NRC geleitete Palestine Shelter Cluster geht davon aus, dass sich mindestens 500 Lastwagenladungen mit von Israel ausgewiesenen „Dual-Use-Unterkunftsgütern“ in Vorbereitung, Beschaffung oder Beschaffungsphase befinden (Palestine Shelter Cluster).
  • 294.250 Familien werden diesen Winter Unterstützung bei der Unterbringung benötigen. Die derzeitigen Bestände und die sich in Vorbereitung befinden Materialien reichen jedoch nur aus, um rund 52.000 Familien teilweise mit Unterkünften und Haushaltsgegenständen zu versorgen. Die durchschnittliche Familiengröße wird mit 5,6 Personen berechnet (Palestine Shelter Cluster).
  • Bisher haben Geber lediglich 96,2 Millionen US-Dollar (ca. 85,85 Millionen Euro) für die Winterunterkunftshilfe bereitgestellt oder zugesagt. Für die Mindestmaßnahmen im Winter werden jedoch 283 Millionen US-Dollar (ca. 252,6 Millionen Euro) benötigt (Palestine Shelter Cluster).
  • 65 Prozent der Bevölkerung in Gaza leben in Zelten oder provisorischen Unterkünften (Palestine Shelter Cluster).
  • Schätzungsweise leben 950.000 Menschen in Lagern, die einem mittleren oder hohen Hochwasserrisiko ausgesetzt sind (Needs and Population Monitoring, Site Management Cluster, Palestine Shelter Cluster).
  • Die israelischen Behörden beschränken die Bewegungsfreiheit von Palästinenser*innen auf etwa 35 Prozent des Gazastreifens (UN OCHA).

Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an:

  • Zoe-Marie Lodzik, Communication Adviser, NRC Deutschland: zoemarie.lodzik@nrc-hilft.de, +49 151 578 60663
  • NRC Norwegian Refugee Council weltweite Medien-Hotline: media@nrc.no, +47 905 62 329