Familjer samlas under träden på en öppen plats, där de lagar mat utomhus och använder enkla, tillfälliga skydd.
Hunderte Familien sind in Al-Kud, einem von NRC unterstützten Vertriebenenlager in Abyan im Jemen, eingetroffen, nachdem sie vor den Kämpfen geflohen sind. Foto: Alison Bottomley/NRC

Jemen: 15.000 Menschen treffen in von NRC unterstützten Vertriebenenlagern ein

Fast 15.000 neu vertriebene Menschen sind in vom Norwegian Refugee Council (NRC) unterstützten Vertriebenenlagern im Jemen angekommen. Wie die Organisation mitteilte, vertreiben die andauernden Kämpfe in mehreren Gouvernements weiterhin Familien aus ihren Häusern.
Pressemitteilung
Mittlerer Osten Jemen
Veröffentlicht 30. Sept. 2026

Das entspricht einem Anstieg von 78 Prozent gegenüber den Zahlen vor der Eskalation in den von NRC unterstützten Lagern für Vertriebene in den südlichen Gouvernements Taiz, Lahj und Abyan. Viele der neu angekommenen Menschen gehören zu Familien, die erneut vertrieben wurden, nachdem sie aus von NRC unterstützten Lagern in Taiz geflohen waren. Insgesamt wurden landesweit 128.000 Menschen durch die Kämpfe vertrieben.

Taiz ist nach wie vor das am stärksten betroffene Gouvernement. Fünf der zehn Vertriebenenlager, die dort von NRC unterstützt werden, haben sich aufgrund der näher rückenden Kämpfe geleert. Die Menschen sind in andere Vertriebenenlager und Dörfer weitergezogen.

„Stündlich kommen neue Familien an, viele ziehen von einem Vertriebenenlager zum nächsten“, sagt Alison Bottomley, Advocacy Adviser von NRC im Jemen. „Ich habe viele Familien getroffen, die mit nichts angekommen sind – ohne Lebensmittel, um sich zu versorgen, und ohne zusätzliche Kleidung oder eine Unterkunft, um sich zu schützen. Die Kapazitäten der humanitären Organisationen reichen bei Weitem nicht aus, um den enormen Bedarf zu decken, den wir vor Ort sehen. Dringend benötigte Mittel müssen unverzüglich mobilisiert werden, um Wasser, Unterkünfte, Lebensmittel, Bildung und Sicherheit zu gewährleisten.“

Die Menschen berichteten NRC, dass sie zwei Kilometer zu Fuß zurücklegen mussten, um die nächstgelegene Wasserstelle zu erreichen. Oft waren sie dabei auf Bauernhöfe oder Moscheen angewiesen, um an Trinkwasser zu kommen. Ein Vater berichtete, dass er mehr als sechs Stunden warten musste, um an Wasser zu gelangen, während sich Hunderte Menschen um dieselbe Quelle versammelten.  Ganze Familien müssen mit einer Mahlzeit am Tag auskommen, die oft aus einer Dose Thunfisch und etwas Brot besteht. Andere haben sich aus Holz, Bananenblättern und übrig gebliebenen Decken eigene Unterkünfte gebaut.

Gleichzeitig können Kinder nicht zur Schule gehen und besonders schutzbedürftige Menschen sind nach ihrer erneuten Vertreibung erhöhten Schutzrisiken ausgesetzt.

Said, ein Vater, der mit seiner Familie in Abyan vertrieben wurde, erzählt NRC: „Wir können nirgendwo hingehen, wir können nur hierbleiben. Wir haben nicht einmal Wasserbehälter oder eine Toilette. Wir haben keine Unterkunft, keine Kleidung. Lebensmittel bekommen wir von hilfsbereiten Menschen, die uns geben, was sie können. Es ist unsere Notlage, durch diese Kriege vertrieben zu werden.“

Die Finanzierung der Nothilfe für den Jemen ist im Laufe der Jahre drastisch zurückgegangen, während der Bedarf weiter steigt. Mehr als 18 Millionen Menschen im Jemen sind von akutem Hunger betroffen. Zugleich waren 23 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung des Landes, bereits vor der jüngsten Eskalation auf humanitäre Hilfe angewiesen.

„Wenn eine vernachlässigte Krise von einer Notsituation dieses Ausmaßes getroffen wird, gibt es keine einfachen Entscheidungen. Wir sind gezwungen, ohnehin knappe Mittel von einer Gemeinschaft umzuverteilen, um den dringenden Bedarf einer anderen zu decken. Doch wir können nicht immer wieder dieselben begrenzten Ressourcen umverteilen, während der Bedarf weiter wächst“, fügt Bottomley hinzu.

NRC stellt Hilfsgüter wie Zelte, Matratzen, Decken, Reinigungsmittel und Haushaltsutensilien bereit und schafft sichere Aufenthaltsorte für Kinder. Im gesamten Gouvernement Taiz unterstützt die Organisation 1.500 Familien sowie zusätzlich 3.000 Kinder mit Nothilfe. Aufgrund des großen Bedarfs müssen jedoch für weitere 1.000 Familien neue Vertriebenenlager eingerichtet werden.

Hinweise für die Redaktionen: 

  • Fotos aus den Vertriebenenlagern in Taiz und Abyan stehen hier zur freien Verwendung bereit.
  • Laut den Vereinten Nationen wurden seit dem 1. August im gesamten Jemen über 128.000 Menschen und damit 21.000 Haushalte neu vertrieben (OCHA).
  • NRC unterstützt 25 Lager für Binnenflüchtlinge in den Gouvernementen, in die Menschen vor den aktuellen Kämpfen in der Provinz Taiz sowie an der Westküste fliehen. Dazu gehören zehn Lager in Taiz, zwölf in Abyan und drei in Lahj. Vor der jüngsten Eskalation lebten dort mehr als 19.265 Menschen (3.855 Familien).
  • Seit der Eskalation sind 2.835 Familien neu in den vom NRC unterstützten Lagern angekommen, darunter 1.350 Familien in Taiz, 1.242 Haushalte in Abyan sowie 243 Familien in Lahj. Die Mehrheit der innerhalb von Taiz vertriebenen Familien stammt aus vom NRC unterstützten Lagern und hat in anderen solchen Lagern Zuflucht gesucht.
  • Während die genaue Anzahl der Personen pro Haushalt derzeit im Rahmen einer Erhebung überprüft wird, schätzt NRC die Größe der meisten Binnenflüchtlingsfamilien auf etwa 5,5 Mitglieder. Demnach sind 15.592 Menschen neu in den vom NRC unterstützten Unterkünften in Taiz, Abyan und Lahj angekommen.
  • In Abyan haben 2.347 Haushalte in 15 von NRC unterstützten Vertriebenenlagern 1.350 neu angekommene Haushalte aufgenommen. Dadurch stieg die Bevölkerung in den Lagern um fast 60 Prozent.
  • Das Vertriebenenlager Al-Kud in Abyan beherbergte zuvor 256 Familien. Nun sind 317 Familien hinzugekommen, sodass sich die Bevölkerung des Lagers verdoppelt hat.
  • Die von NRC unterstützten Vertriebenenlager in Lajh zählten zuvor 737 Haushalte mit insgesamt 3.673 Personen. Seit der Eskalation sind weitere 242 Familien angekommen, was einem Anstieg von 35 Prozent entspricht.
  • Fast drei von vier neu vertriebenen Haushalten haben laut dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) keine angemessene Unterkunft (OCHA).
  • 23 Millionen Menschen benötigen humanitäre Hilfe im Jemen (HNRP).
  • 18,3 Millionen Menschen, fast die Hälfte der Bevölkerung, sind von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen (HNRP).
  • Ende September war die humanitäre Hilfe für den Jemen nur zu etwas mehr als 20 Prozent finanziert (OCHA).
  • NRC priorisiert die Nothilfe für neu vertriebene Familien in Taiz und Abyan. Dazu gehören Sets für Notunterkünfte, Non-Food-Artikel, Sets mit Hygieneartikeln und die Installation neuer Latrinen.
  • Laut dem jährlichen Bericht des NRC zu den am meisten vernachlässigten Vertreibungskrisen der Welt zählt der Jemen zu den fünf am stärksten vernachlässigten Krisen (NRC).  

Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an:

  • Zoe-Marie Lodzik, Communication Adviser, NRC Deutschland: zoemarie.lodzik@nrc-hilft.de, +49 151 578 60663
  • NRC Norwegian Refugee Council weltweite Medien-Hotline: media@nrc.no, +47 905 62 329