En kvinna i röd klädsel sitter utanför ett enkelt tillfälligt skydd och sorterar spannmål ur en säck. I bakgrunden syns den provisoriska bostaden och ett torrt landskap.
Muslima füllt einen Sack mit getrocknetem Mais. Sie sagt, dass die Vorräte gerade noch für einen weiteren Tag reichen, um ihre Familie zu ernähren. Was danach kommt, weiß sie nicht. Foto: Abdulkadir Mohamed/NRC

Somalia droht eine Hungerkrise: Überschwemmungen verschlimmern die Folgen von Dürre und Konflikten

Das von Konflikten gezeichnete Somalia wurde in diesem Jahr von Dürre und drastischen Kürzungen der humanitären Hilfe schwer getroffen. Nun bereitet sich das Land auf weitreichende Überschwemmungen vor, die weitere Millionen Menschen in den Hunger treiben könnten. Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegian Refugee Council (NRC), warnt bei seinem Besuch in Lagern für Vertriebene in Kismayo, dass die Lage einen kritischen Punkt erreicht habe.
Pressemitteilung
Somalia
Veröffentlicht 27. Aug. 2026

„Ganze Gemeinschaften warten seit Monaten vergeblich auf Hilfe“, sagt Egeland. „Ich habe Familien, Frauen, Kinder und Landwirt*innen getroffen, die durch wiederkehrende Dürreperioden und Hungersnöte alles verloren haben. Familien teilen sich eine einzige Mahlzeit am Tag. Neugeborene laufen Gefahr, an Mangelernährung zu sterben. Nun drohen ihnen Überschwemmungen, die ihr Leben gefährden könnten. Wir dürfen nicht wegsehen und tatenlos zusehen, wie diese Familien von einer weiteren Katastrophe heimgesucht werden.“

In Somalia sind sechs Millionen Menschen, rund ein Drittel der Bevölkerung, von Hunger in krisenhaftem Ausmaß oder Schlimmerem betroffen. Grund dafür sind mehrere aufeinanderfolgende Dürreperioden. In diesem Jahr wurden mehr als 700.000 Menschen vertrieben, über 500.000 davon allein aufgrund der Dürre. Ärzte ohne Grenzen (MSF) warnt, dass in Teilen Südsomalias jedes zweite Kind mangelernährt ist. Gleichzeitig haben Kürzungen der Hilfsgelder die Unterstützung für vertriebene Somalier*innen zunichte gemacht. Trotz des enormen Bedarfs ist die humanitäre Hilfe für Somalia zu 70 Prozent unterfinanziert.

Nun droht den Menschen in Somalia eine weitere Krise. Die für Oktober erwartete Deyr-Regenzeit könnte durch das globale El-Niño-Phänomen verstärkt werden und die schwersten Überschwemmungen im Land seit 2023 mit sich bringen. Prognosen zufolge könnten die diesjährigen El-Niño-Überschwemmungen ein ähnlich schweres Ausmaß wie 2023 erreichen. Damals wurden 1,2 Millionen Menschen vertrieben, 8.000 Nutztiere kamen ums Leben und 11.000 Hektar Ackerland wurden in Mitleidenschaft gezogen.

„Die Menschen in Somalia zahlen den Preis für gewaltige klimabedingte Extremereignisse, für die sie keinerlei Verantwortung tragen“, sagt Egeland. „Wir wissen, dass das nächste Extremereignis bevorsteht und wie sich in der Vergangenheit aus Hunger eine Hungersnot entwickelte, als Somalia im Stich gelassen wurde. Was uns fehlt, sind die finanziellen Mittel, um darauf zu reagieren.“

NRC fordert: 

  • Aufstockung der humanitären Mittel für Ernährungssicherheit und Lebensmittelversorgung, Wasser- und Sanitärversorgung, Unterkünfte sowie Schutzmaßnahmen in den am stärksten betroffenen Gebieten.
  • Sofortige Investitionen in die Vorbereitung auf Überschwemmungen: Dazu zählen Frühwarnsysteme, Evakuierungsplanung und der Schutz kritischer Infrastruktur vor Beginn der Deyr-Regenzeit.
  • Bargeldhilfen, damit Familien die anhaltende Hungerkrise überstehen können.
  • Langfristige Investitionen in Resilienzprogramme, um den Kreislauf wiederkehrender Dürren und Überschwemmungen zu durchbrechen.

Hinweise für die Redaktionen: 

  • Multimediamaterial vom Besuch des NRC-Generalsekretärs in Somalia steht hier zur freien Verwendung zum Herunterladen bereit.
  • Sechs Millionen Menschen in Somalia sind von Hunger in krisenhaftem oder noch schlimmerem Ausmaß betroffen (IPC).
  • Eine Untersuchung von Ärzte ohne Grenzen (MSF) unter vertriebenen Familien in Baidoa ergab, dass jedes zweite Kind mangelernährt ist (MSF).
  • In Teilen Somalias sind die Mangelernährungsraten so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr (IKRK).
  • Mehr als 700.000 Menschen wurden in diesem Jahr vertrieben, über 500.000 davon allein aufgrund der Dürre (UNHCR/NRC Protection and Solutions Monitoring Network).
  • Die Geberländer haben bislang nur 30 Prozent der für die humanitäre Hilfe im Jahr 2026 benötigten Mittel bereitgestellt (OCHA Financial Tracking Service).
  • 75 Prozent der Schutzangebote wurden im vergangenen Jahr eingestellt (NRC Briefing Note).
  • Der Hauptgrund für die akute Ernährungsunsicherheit verlagert sich von Dürren während der Gu-Saison von April bis Juni 2026 hin zu Überschwemmungen während der Deyr-Saison von Oktober bis Dezember 2026 (FEWS NET).

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