„Ich habe eine Schule besucht, in der die Lehrkräfte den Unterricht regelmäßig unterbrechen müssen, weil Drohnen über ihnen fliegen“, berichtet Saraf. „Es ist erschütternd, dass Kinder so etwas durchmachen müssen, nur weil sie lernen wollen. Niemand sollte Mut aufbringen müssen, um zur Schule zu gehen.“
In den vom NRC unterstützten Lernzentren in El Obeid sind bereits mehr als 5.500 Schüler*innen eingeschrieben, und viele weitere Familien versuchen noch immer, ihre Kinder anzumelden. NRC arbeitet mit seinem Partner, der Alsalam Organisation for Rehabilitation and Development (AORD), zusammen, um den Kindern dabei zu helfen, versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen und mit Angst und Stress umzugehen.
In den vergangenen Wochen wurden in El Obeid wiederholt zivile Ziele von Drohnen angegriffen, darunter ein Wohnheim für Studierende, eine Unterkunft für vertriebene Familien sowie Lagerhäuser in der Ortschaft Sheikan, in denen mehr als 330.000 Schulbücher gelagert waren. In El Obeid leben mehr als eine halbe Million Menschen, darunter Zehntausende, die durch Kämpfe in anderen Teilen von Kordofan und im Sudan vertrieben wurden.
„Die Orte, an denen die Menschen schlafen, wurden aus der Luft angegriffen, ebenso wie die Bücher, die Kinder zum Lernen brauchen“, so Saraf. „Nach jedem Angriff fragen sich die Familien, was als Nächstes getroffen wird. Familien, die bereits ihr Zuhause verloren haben, sehen sich zudem mit steigenden Preisen konfrontiert und haben Mühe, genügend sauberes Wasser, sichere sanitäre Einrichtungen und angemessene Unterkünfte zu finden.“
„Sowohl die Kinder als auch die Lehrkräfte und Eltern möchten, dass es weitergeht. Was ihnen fehlt, ist die Gewissheit, dass ein Schultag einfach nur ein Schultag sein kann, ohne dass man auf Drohnengeräusche achtet oder sich fragt, wann der Unterricht vielleicht unterbrochen werden muss“, sagt Saraf.
NRC unterstützt zudem eine Schule für Mädchen in El Obeid. An dieser Schule sind etwa 1.200 Schülerinnen eingeschrieben, doch es stehen nur drei Klassenzimmer zur Verfügung. „Wenn man eines der Klassenzimmer betrat, musste man darauf achten, nicht aufeinanderzutreten“, sagt Saraf. NRC hat zwei weitere Klassenzimmer und Toiletten gebaut, Lernmaterialien bereitgestellt und Lehrkräfte geschult, um von Konflikten betroffene Kinder zu unterstützen. „Als ich dort stand, wurde mir klar, dass das nicht ausreichte“, sagt er.
Als Reaktion auf den wachsenden Bedarf in El Obeid hat NRC 4.000 Haushalte mit Bargeldhilfen versorgt und 3.000 Sets mit Hygieneartikeln sowie Ausstattung für Unterkünfte verteilt. Diese umfassten unter anderem Decken, Plastikplanen, Schlafmatten, Kanister und Solarlampen. Darüber hinaus wird NRC Gemeinschaftsinitiativen unterstützen und dabei auf den Anstrengungen der Menschen aufbauen, die sich bereits um die Bedürfnisse in ihren Gemeinden kümmern. Der 12-monatige Hilfsplan von NRC für El Obeid sieht etwa 6,3 Millionen Euro vor, um 107.000 Menschen zu erreichen. Bislang wurden jedoch 65 Prozent der Mittel nicht finanziert.
„Angriffe auf Zivilist*innen und auf die Infrastruktur, auf die sie angewiesen sind, sind nach dem humanitären Völkerrecht verboten“, sagt Saraf. „Die Konfliktparteien müssen Schulen, Häuser, Notunterkünfte und Märkte schützen und militärische Einrichtungen von zivilen Gebieten fernhalten. Die Geber müssen jetzt Mittel für Wasser, Unterkünfte und Bildung bereitstellen, damit Vertriebene und Aufnahmegemeinschaften in El Obeid eine Anlaufstelle haben.“
Hinweise für die Redaktionen:
- Shashwat Saraf steht für Interviews zur Verfügung.
- B-Roll-Material und Fotos stehen hier zur freien Verfügung.
- NRC ist seit 2025 in El Obeid tätig. Neben dem Bildungsprogramm registriert die Organisation Tausende vertriebene Familien für Bargeldhilfen und bereitet die Ausweitung der Unterstützung im Bereich Wasser und Sanitärversorgung vor.
- Berichte von UNICEF zu den in dieser Pressemitteilung erwähnten jüngsten Angriffen sind hier einsehbar: Angriff auf eine Unterkunft, Angriffe auf Lagerhäuser.
- Sudan Tribune berichtete hier über den Drohnenangriff auf ein Wohnheim für Studierende der Universität von Kordofan.
- Laut IOM wurden bis zum 1. September 2026 insgesamt 51.755 Menschen erfasst, die aus anderen Teilen von Kordofan in die Ortschaft Sheikan vertrieben wurden.
Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an:
- Zoe-Marie Lodzik, Communication Adviser, NRC Deutschland: zoemarie.lodzik@nrc-hilft.de, +49 151 578 60663
- NRC Norwegian Refugee Council weltweite Medien-Hotline: media@nrc.no, +47 905 62 329
