„Die Zahl der Menschen, die aufgrund von Gewalt und Konflikten aus ihrer Heimat geflohen sind, hat sich in den letzten 15 Jahren fast verdreifacht. Würde man die 117,8 Millionen Menschen, die derzeit weltweit gewaltsam vertrieben sind, als Land betrachten, wäre dieses nach Einwohnerzahl das dreizehntgrößte der Welt. Es wäre größer als Ägypten, Deutschland oder das Vereinigte Königreich. Dies ist ein menschliches Leid von ungeheurem Ausmaß und ein kollektives Versagen der Menschheit.
Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist die Zahl der Vertriebenen weltweit niedriger als im Vorjahr – nach einem Rekordhoch von 123,2 Millionen im Jahr 2025. Dieser Rückgang ist jedoch größtenteils auf unfreiwillige Rückführungen ohne die notwendige Unterstützung beim Aufbau eines neuen Lebens zurückzuführen. So wurden Millionen Menschen aus Afghanistan zwangsweise aus den Nachbarländern Pakistan und Iran zurückgeführt und in der Demokratischen Republik Kongo wurden einige Flüchtlingslager unter Waffengewalt geräumt, wodurch Tausende Familien in nicht mehr existierende Häuser zurückgeschickt wurden.
Zugleich wurden Millionen Menschen vertrieben und noch viel mehr Menschen mussten langwierige Krisen erdulden, ohne Aussicht auf eine Lösung. Die Welt versagt weiterhin gegenüber Zivilist*innen, die von Konflikten und Gewalt betroffen sind.
Derartige große Zahlen sind kaum vorstellbar. In einer zunehmend nationalistischen Welt, in der das Schicksal von Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, immer weniger Beachtung findet, wird die Kluft zwischen Entscheidungsträger*innen, Gebern und Vertriebenen immer größer. Das darf nicht zur neuen Normalität werden.
Als humanitäre Hilfskräfte ist es unsere Aufgabe, Vertriebene in ihrer größten Not zu unterstützen. Wir müssen lebenswichtige Hilfe leisten, darunter die Bereitstellung von sauberem Wasser und Unterkünften, und dann die notwendigen Mittel bereitstellen, um Leben und Hoffnung wiederaufzubauen.
Doch das können wir nicht ohne eine Welt, die bereit ist, für die Menschlichkeit einzustehen. Wir rufen jede*n dazu auf, die Machthabenden daran zu erinnern, dass Hilfe kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist. Wir müssen den Menschen, die eine Krise durchleben, zur Seite stehen. Wir müssen diplomatische Lösungen zur Beendigung von Krisen unterstützen und Hilfe finanzieren, um Leid zu lindern. Wir müssen Zivilist*innen schützen und uns für das humanitäre Völkerrecht einsetzen. Wir alle müssen uns unserer Menschlichkeit bewusst sein."
Hinweise für die Redaktionen:
- Ende 2025 waren schätzungsweise 117,8 Millionen Menschen aufgrund von Verfolgung, Konflikten und Gewalt gewaltsam vertrieben. Dies ist ein Rückgang gegenüber den 123,2 Millionen Menschen Ende 2024 (UNHCR).
- Ende 2010 waren 43,7 Millionen Menschen gewaltsam vertrieben (UNHCR).
- Die neu veröffentlichten globalen Zahlen zur globalen Vertreibung sind auf der Webseite von UNHCR einsehbar.
- Nach den neuesten verfügbaren Daten der Weltbank würden 117,8 Millionen Vertriebene das 13. bevölkerungsreichste Land bilden, noch vor Ägypten (116,5 Millionen), dem Vereinigten Königreich (69,2 Millionen) und Deutschland (83,5 Millionen).
- Weitere Informationen zu den Trends im Jahr 2025 finden Sie hier.
- Link zur globalen Übersicht über Vertriebene hinzufügen
- Laut den neuesten verfügbaren Daten der Weltbank würden 117,8 Millionen Vertriebene das 13. bevölkerungsreichste Land bilden und damit Länder wie Ägypten (116,5 Millionen), das Vereinigte Königreich (69,2 Millionen) und Deutschland (83,5 Millionen) übertreffen.
- Weitere Informationen zu den Entwicklungen im Jahr 2025 finden Sie hier.
Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an:
- Zoe-Marie Lodzik, Communication Adviser, NRC Deutschland: zoemarie.lodzik@nrc-hilft.de, +49 151 578 60663
- NRC Norwegian Refugee Council weltweite Medien-Hotline: media@nrc.no, +47 905 62 329
