INGOs sind ein wesentlicher Bestandteil der humanitären Hilfe und arbeiten mit den Vereinten Nationen und palästinensischen Organisationen der Zivilgesellschaft zusammen, um lebensrettende Nothilfe in großem Umfang zu leisten. Die Vereinten Nationen, das Humanitäre Länderteam, und Geberländer haben wiederholt bekräftigt, dass INGOs für humanitäre und Entwicklungsmaßnahmen unverzichtbar sind, und Israel aufgefordert, seinen Kurs zu ändern.
Trotz des Waffenstillstands ist der humanitäre Bedarf nach wie vor extrem hoch. In Gaza lebt jede vierte Familie von nur einer Mahlzeit pro Tag. Winterstürme haben Zehntausende Menschen vertrieben, sodass 1,3 Millionen Menschen dringend eine Unterkunft benötigen. INGOs leisten mehr als die Hälfte der gesamten Nahrungsmittelhilfe in Gaza. Sie betreiben oder unterstützen zudem 60 Prozent der Feldlazarette, führen fast drei Viertel der Aktivitäten im Bereich Unterkunft und Non-Food-Artikel durch und versorgen alle Kinder mit schwerer akuter Unterernährung. Ihr Abzug würde zur Schließung von Gesundheitseinrichtungen und zur Einstellung der Lebensmittelverteilung führen, die Bereitstellung von Unterkünften zusammenbrechen lassen und lebensrettende Versorgung unterbrechen. Im Westjordanland führen anhaltende Militärrazzien und Gewalt durch Siedler*innen weiterhin zu Vertreibungen. Weitere Einschränkungen für INGOs würden die Reichweite und Kontinuität der lebensrettenden Hilfe in einem kritischen Moment stark einschränken.
Jüngste Anstrengungen, die Auswirkungen der Deregistrierung von INGOs anhand selektiver Messgrößen zu bewerten, geben nicht wieder, wie humanitäre Hilfe in der Praxis geleistet wird. Der Zugang zu humanitärer Hilfe muss daran gemessen werden, ob Zivilist*innen die richtige Hilfe am richtigen Ort und zur richtigen Zeit erhalten.
INGOs arbeiten unter strengen, von den Gebern vorgeschriebenen Compliance-Rahmenbedingungen, einschließlich Audits, Finanzkontrollen im Rahmen der Terrorismusbekämpfung und Sorgfaltspflichten, die internationalen Standards entsprechen. Seit dem 7. Oktober 2023 wurden mehr als 500 humanitäre Hilfskräfte getötet. INGOs können keine sensiblen personenbezogenen Daten an eine Konfliktpartei weitergeben, da dies gegen humanitäre Grundsätze, die Sorgfaltspflicht und Datenschutzverpflichtungen verstoßen würde. Aktuell kursierende falsche Darstellungen bezüglich angeblich mangelnder Sorgfalt durch INGOs delegitimieren humanitäre Organisationen, gefährden Mitarbeiter*innen und untergraben die Bereitstellung von Hilfe.
Die Verweigerung der Registrierung von INGOs ist kein administrativer Vorgang, sondern eine bewusste politische Entscheidung mit vorhersehbaren Folgen. Wenn die Registrierungen auslaufen, wird die israelische Regierung humanitäre Hilfe in großem Umfang behindern. Der Zugang für humanitäre Hilfe ist nicht optional, sondern eine Verpflichtung nach dem humanitären Völkerrecht. Dieser darf nicht an Bedingungen geknüpft oder politisch motiviert sein. Er ist eine rechtliche Verpflichtung gemäß dem humanitären Völkerrecht. Dieser Schritt der israelischen Regierung würde auch einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, indem er die israelische Autorität über humanitäre Operationen in den besetzten palästinensischen Gebieten ausweitet, was im Widerspruch zu den international anerkannten rechtlichen Rahmenbedingungen für das Gebiet und die Rolle der Palästinensischen Autonomiebehörde steht.
Wir fordern die israelische Regierung auf, die Deregistrierungsverfahren unverzüglich einzustellen und die Maßnahmen zur Behinderung humanitärer Hilfe aufzuheben. Wir fordern die Geberregierungen nachdrücklich auf, alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um die Aussetzung und Rücknahme dieser Maßnahmen zu erreichen. Unabhängige, prinzipientreue humanitäre Operationen müssen geschützt werden, um sicherzustellen, dass die Zivilbevölkerung die dringend benötigte Hilfe erhalten kann.
Hinweise für die Redaktionen:
- Die Rolle von INGOs ist in allen humanitären Bereichen unverzichtbar:
- Gesundheit: INGOs betreiben oder unterstützen rund 60 Prozent der Feldlazarette im Gazastreifen. Eine Aufhebung ihrer Registrierung würde zur sofortigen Schließung von rund einem Drittel dieser Gesundheitseinrichtungen führen.
- Ernährungssicherheit: INGOs stellten 2024 mehr als die Hälfte aller Nahrungsmittelhilfen bereit, darunter den Großteil der Verteilungsstellen für gekochte Mahlzeiten.
- Unterkünfte: INGOs haben fast drei Viertel aller Aktivitäten in den Bereichen Unterkünfte und Non-Food-Artikel durchgeführt. Derzeit befinden sich etwa 600.000 Unterbringungsartikel in den Lieferketten der INGOs.
- Wasser und Sanitärversorgung: INGOs erbringen 42 Prozent aller WASH-Dienstleistungen, darunter die Prävention und Bekämpfung von akuten Durchfallerkrankungen.
- Ernährung: INGOs unterstützen alle fünf Stabilisierungszentren, die Kinder mit schwerer akuter Unterernährung behandeln, was 100 Prozent der Behandlungskapazitäten in Gaza entspricht.
- Minenräumung: INGOs stellen mehr als die Hälfte aller Mittel für die Beseitigung von Sprengstoffgefahren bereit. Der Wegfall der INGOs würde zu Kapazitätsverlusten von bis zu 100 Prozent führen.
- Bildung: INGOs betreiben oder unterstützen rund 30 Prozent der Notfallbildungsmaßnahmen, die bereits jetzt nur einen begrenzten Teil der Bevölkerung im schulpflichtigen Alter erreichen.
- Humanitäre Organisationen können keine sensiblen personenbezogenen Daten ihrer nationalen Mitarbeitenden oder deren Familien weitergeben, sofern sie sich an die entsprechenden Prinzipien halten. Dies steht im Einklang mit humanitären Grundsätzen, Sorgfaltspflichten sowie globalen Datenschutzstandards, die in allen Kontexten gelten.
- Beschränkungen für INGOs wirken sich auch direkt auf palästinensische und israelische Partnerorganisationen aus, untergraben die lokalen Reaktionskapazitäten, stören den Finanzierungsfluss und schwächen die gemeindebasierte Erbringung von Dienstleistungen in allen Sektoren.
- INGOs sind rechtlich befugt, ihre Tätigkeit auszuüben, und bleiben der Bereitstellung humanitärer Hilfe durch Koordinierungssysteme der Vereinten Nationen und lokale Partnerschaften verpflichtet, während sie sich weiterhin für die Aufhebung von Maßnahmen einsetzen, die die Bereitstellung von Hilfe behindern.
Unterzeichnende Organisationen:
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Acs
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Action Against Hunger (ACF)
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Action for Humanity
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ActionAid
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American Friends Service Committee (AFSC)
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Amnesty International
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AOI - Cooperazione e Solidarietà internazionale - Italia
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CADUS e.V.
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Campaign for the Children of Palestine (CCP Japan)
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CARE Canada
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CARE International UK
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Children are Not Numbers
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Churches for Middle East Peace
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CISS - Cooperazione Internazionale Sud Sud
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Council for Arab-British Understanding (Caabu)
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DanChurchAid
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Danish Refugee Council
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Diakonia
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EducAid
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Emergency NGO
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Fondation Terre des hommes Lausanne
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Glia
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HEKS/EPER - Swiss Church Aid
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Human Rights Solidarity
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Humanity & Inclusion - Handicap International
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INTERPAL
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Islamic Relief
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Japan International Volunteer Center (JVC)
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Médecins du Monde - Suisse
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Médecins du Monde - France
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Médecins Sans Frontières
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Medical Aid for Palestinians
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medico international
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Medicos Del Mundo (MDM - Spain)
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Mennonite Central Committee
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Middle East Children's Alliance
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NORWAC ( Norwegian aid committee)
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Norwegian Church Aid
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Norwegian People's Aid
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Norwegian Refugee Council
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Oxfam
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Pax Christi USA
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Peace Winds Japan
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Premiere Urgence Internationale
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Quakers in Britain
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Solidarités International
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Terre des hommes Italy
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Un Ponte Per
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United Against Inhumanity
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Vento di Terra ETS
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War Child Alliance Foundation
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War on Want
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WeWorld-GVC
Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an:
- Zoe-Marie Lodzik, Communication Adviser, NRC Deutschland: zoemarie.lodzik@nrc-hilft.de, +49 151 578 60663
- NRC Norwegian Refugee Council weltweite Medien-Hotline: media@nrc.no, +47 905 62 329