„Familien hier im Iran – sowohl schutzbedürftige Iraner*innen als auch afghanische Geflüchtete – zahlen einen schrecklichen Preis für diesen Krieg“, so Egeland. „Weitreichende Luftangriffe der USA und Israels zwangen Millionen von Menschen, ihre Häuser auf der Suche nach Sicherheit zu verlassen. Kinder sind traumatisiert, ihre Schulbildung wurde unterbrochen, während Eltern aufgrund von Inflation und steigenden Preisen Schwierigkeiten haben, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Jede*r, mit dem ich gesprochen habe, befürchtet, dass der Krieg erneut eskalieren wird.“
Seit Kriegsbeginn am 28. Februar wurden im Land fast 3.500 Menschen getötet und mehr als 32.000 Menschen verletzt. Im Iran, in Israel, im Libanon und in der Golfregion sind bei Luftangriffen Tausende von Menschen ums Leben gekommen, während weitreichende Angriffe Millionen von Menschenleben zerstört haben.
Die intensiven Luftangriffe auf dicht besiedelte Gebiete im Iran lösten massive Vertreibungen aus. Millionen von Menschen flohen aus Teheran, um Sicherheit zu suchen. Menschen, die vorübergehend umgesiedelt wurden, kehren nun zurück. Doch diejenigen, deren Häuser und Lebensgrundlagen zerstört wurden, bleiben weiterhin vertrieben. Insgesamt wurden fast 150.000 Häuser, Gewerberäume, Schulen und andere zivile Gebäude beschädigt. 17 Millionen Schüler*innen können weiterhin nicht am Präsenzunterricht teilnehmen.
NRC ruft alle Konfliktparteien dazu auf, sich zu einer dauerhaften Beendigung der Feindseligkeiten zu verpflichten. Ein anhaltender Waffenstillstand und ein langfristiges Friedensabkommen würden es der Zivilbevölkerung in allen vom Konflikt betroffenen Ländern ermöglichen, ihr Leben schrittweise wieder aufzunehmen. Ebenso wäre damit ein sicherer humanitärer Zugang für Nothilfe und Wiederaufbau gewährleistet.
„Das Leben der Zivilbevölkerung im Iran ist durch den Krieg völlig aus den Fugen geraten“, sagt Egeland. „NRC und seine Partner unternehmen alles in ihrer Macht Stehende, um afghanische Flüchtlinge und vertriebene Iraner*innen zu unterstützen. Doch wir verfügen nur über ein Drittel der benötigten Mittel, um unsere Nothilfemaßnahmen aufrechtzuerhalten.“
NRC ist seit 2012 im Iran tätig und unterstützt Hunderttausende von Menschen in zehn Provinzen des Landes unter anderem mit Bargeldhilfen, Bildungsangeboten sowie Wasser- und Sanitärversorgung.
„Ohne zusätzliche Mittel müssen wir unsere Nothilfe reduzieren, statt sie für die Menschen in akuter Not auszuweiten. Wir erhalten lediglich Mittel aus Norwegen, Schweden und von der Europäischen Union, obwohl der Iran das weltweit größte Aufnahmeland für Flüchtlinge ist und der Krieg sich äußerst dramatisch auf die Zivilbevölkerung auswirkt“, sagt Egeland.
„Ohne angemessene Mittel zur Krisenbewältigung wird dieser Krieg noch über Jahre hinweg schwerwiegende Folgen für das Leben der iranischen Zivilbevölkerung sowie der afghanischen Flüchtlingsbevölkerung haben.“
Die meisten der rund vier Millionen afghanischen Flüchtlinge leben seit Jahrzehnten im Iran, vor allem in städtischen und stadtnahen Industriegebieten. Durch den Krieg und die Sanktionen gegen die iranische Wirtschaft sind ihre Beschäftigungsmöglichkeiten dort jedoch stark eingeschränkt.
„Die Menschen, die ich hier im Iran getroffen habe, berichten von schrecklichen Verlusten: von Häusern, Familienangehörigen, Ersparnissen, aber auch von den traumatisierenden Auswirkungen des Kriegs auf Kinder. Nun rauben wirtschaftliche Zwänge ihnen die Hoffnung auf die Zukunft. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir sowohl die schutzbedürftige iranische Bevölkerung als auch die afghanische Flüchtlingsbevölkerung unterstützen, um eine weitere Verschärfung dieser humanitären Krise zu verhindern“, sagt Egeland.
Hinweise für die Redaktionen:
- Fotos aus dem Iran können hier zur freien Verwendung heruntergeladen werden.
- Zu Beginn des Krieges waren rund 3,2 Millionen Menschen vorübergehend vertrieben (UNHCR).
- Das iranische Gesundheitsministerium meldet landesweit 3.375 zivile Todesopfer und 32.314 Verletzte (OCHA).
- Berichten zufolge wurden fast 149.000 zivile Einrichtungen beschädigt, wodurch schätzungsweise 400.000 Menschen direkt betroffen sind (OCHA).
- 1.200 Bildungseinrichtungen wurden als betroffen gemeldet, 20 Schulen wurden zerstört und 240 Gesundheitseinrichtungen wurden beschädigt (OCHA).
- Mehr als 17 Millionen Schüler*innen können weiterhin nicht am Präsenzunterricht teilnehmen (OCHA).
- Mit mehr als 4,4 Millionen Afghan*innen, die im Land Schutz und Lebensgrundlagen suchen, beherbergt der Iran derzeit die weltweit größte Flüchtlingsbevölkerung (UNHCR).
- In Teheran leben schätzungsweise 2,4 Millionen Afghan*innen (Angaben des Provinzgouverneurs). Aufgrund seiner Industriegebiete, Beschäftigungsmöglichkeiten und der Nähe zur Hauptstadt beherbergt der Großraum Teheran eine bedeutende afghanische Bevölkerung.
- Die Hilfe für afghanische Flüchtlinge im Iran ist seit jeher unterfinanziert: Im Jahr 2025 wurden lediglich 18 Prozent der Mittel über den Regional Refugee Response Plan (OCHA) bereitgestellt.
- Zu den am stärksten von den Folgen des Krieges Betroffenen gehören die mehr als vier Millionen Afghan*innen. Seit Beginn des Konflikts sind mehr als 35.000 von ihnen nach Afghanistan zurückgekehrt und mehr als eine Million sind weiterhin von Abschiebung bedroht (NRC).
- Die humanitäre Hilfe ist zu 47 % finanziert – von den benötigten 80 Millionen US-Dollar (ca. 68,69 Millionen Euro) wurden erst 37,6 Millionen US-Dollar (ca. 32,28 Millionen Euro) aufgebracht (OCHA).
- Am Abend des 7. April wurde ein Waffenstillstandsabkommen verkündet, doch die Luftangriffe wurden fortgesetzt.
- NRC ist seit 2012 im Iran tätig. Im Jahr 2025 leistete NRC Hilfe für fast 115.000 Afghan*innen und Mitglieder der Aufnahmegemeinschaften in zehn Provinzen.
- NRC hat sich zum Ziel gesetzt, 50.000 von der Krise betroffene Iraner*innen und Afghan*innen in neun Provinzen zu erreichen. Im Vordergrund stehen Bargeldhilfen, Bildungsangebote, Schutz und Rechtsbeistand sowie eine integrierte Wasser- und Sanitärversorgung und Unterstützung bei der Unterbringung, um sicherzustellen, dass schutzbedürftige Gemeinschaften ihre dringendsten Bedürfnisse decken können.
Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an:
- Zoe-Marie Lodzik, Communication Adviser, NRC Deutschland: zoemarie.lodzik@nrc-hilft.de, +49 151 578 60663
- NRC Norwegian Refugee Council weltweite Medien-Hotline: media@nrc.no, +47 905 62 329
