En skolflicka med ryggsäck står på en höjd och blickar ut över ett bergigt landskap.
Ein achtjähriges Mädchen in einer ländlichen Region im Nordosten Kolumbiens, wo der bewaffnete Konflikt zur Aussetzung des Unterrichts und damit zur Unterbrechung ihrer Schulbildung geführt hat. Foto: Mariano Vimos – Aica Colectivo/NRC

Kolumbien: 12.000 Schüler*innen und Lehrkräfte sind von Angriffen bewaffneter Gruppen betroffen

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 kam es laut Angaben des Norwegian Refugee Council (NRC) in Kolumbien im Durchschnitt alle drei Tage zu Angriffen auf Bildungseinrichtungen. Dabei waren fast 12.000 Kinder, Lehrkräfte und Schulmitarbeitende von Gewalt betroffen.
Pressemitteilung
Kolombien
Veröffentlicht 21. Juli 2026

NRC dokumentierte 61 Vorfälle in sieben Departamentos, in denen die Organisation humanitäre Hilfe für von dem bewaffneten Konflikt betroffene Menschen leistet. Die Erhebung umfasste Angriffe auf Schulen in Konfliktregionen Kolumbiens zwischen Januar und Juni 2026.

Vier von zehn Angriffen ereigneten sich auf den Schulwegen von Kindern. Am häufigsten wurden jedoch Angriffe direkt in den Klassenzimmern und auf dem Schulgelände verzeichnet.

„Sechs von zehn dieser Angriffe ereigneten sich in der Schule selbst – an einem Ort, an dem Kinder eigentlich sicher sein sollten“, sagt Mikel Mendezona, NRC-Programmleiter in Kolumbien. „Es ist nicht tolerierbar, dass Schulen in ländlichen Gebieten weiterhin ins Kreuzfeuer zwischen bewaffneten Gruppen geraten. Alle Konfliktparteien sind verpflichtet, das humanitäre Völkerrecht zu achten, damit Schulen sichere Orte sein können.“

Die meisten dokumentierten Angriffe ereigneten sich in den Departements Norte de Santander, Chocó und Cauca.

Die Angriffe reichen von der militärischen Besetzung von Schulgebäuden und dem Platzieren von Sprengsätzen auf dem Schulgelände über die Zwangsrekrutierung von Minderjährigen bis hin zu Kreuzfeuer, durch das das Leben Tausender Schüler*innen und Lehrkräfte gefährdet wird.

Ein Mitglied der Schulgemeinschaft im Westen Kolumbiens berichtete dem NRC, dass bewaffnete Männer in die örtliche Schule eindrangen, diese besetzten und einer Schülerin Geld im Austausch gegen sexuelle Handlungen anboten.

„Unsere Schule ist der Gewalt dieser bewaffneten Gruppen völlig schutzlos ausgeliefert“, so die Frau gegenüber NRC. „Wir brauchen Investitionen, um unsere Schulen und Schülerinnen zu schützen.“ Weder staatliche Institutionen noch internationale humanitäre Organisationen reagieren schnell genug auf derartige Angriffe.

Laut NRC warten zwei Drittel der betroffenen Schulen immer noch auf die dringend benötigte Unterstützung. Landesweit sind Schüler*innen auf psychosoziale Unterstützung und Schulungen zum Selbstschutz im Falle eines Feuergefechts angewiesen. Lehrkräfte wiederum müssen im Umgang mit Notfällen und nicht explodierten Sprengkörpern geschult werden. Darüber hinaus müssen Landminen von den Schulgeländen geräumt und die beschädigten Klassenräume instand gesetzt werden. Der Bau von Zäunen und Mauern ist unerlässlich, um bewaffnete Gruppen von den Schulen fernzuhalten.

Eine neue Fallstudie von NRC zeigt zudem, dass viele Schulen in ländlichen Gebieten keine offiziellen Eigentumsnachweise für ihre Grundstücke besitzen. Dies stellt eine zusätzliche Belastung dar. Die mangelnde Rechtssicherheit hindert die Behörden daran, öffentliche Gelder für die Wiederherstellung beschädigter Infrastruktur und den Schutz der Schulen bereitzustellen.

„Es ist herzzerreißend, mitanzusehen, wie die Zukunft von Kindern von bewaffneten Gruppen zerstört wird”, so Mendezona. „Die Regierung muss die Sicherheit jedes Kindes in der Schule weiterhin zur obersten Priorität machen. Das beginnt damit, den Schulen den rechtlichen Schutz zu gewähren, der ihnen noch fehlt.“

Hinweise für die Redaktionen:

  • Fotos und Videos aus Kolumbien stehen hier kostenlos zur Verfügung.
  • Laut dem Bericht Education Under Attack 2026 der Global Coalition to Protect Education from Attack (GCPEA) gehört Kolumbien nach wie vor zu den Ländern, die weltweit am stärksten von Angriffen auf Bildungseinrichtungen betroffen sind.
  • Nach den von NRC erhobenen Daten waren zwischen Januar und Juni 2026 in den Verwaltungsbezirken Antioquia, Arauca, Bolívar, Cauca, Chocó, Norte de Santander und Valle del Cauca insgesamt 11.976 Menschen von 61 Angriffen im Bildungsumfeld im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt betroffen. Davon waren 11.485 Schüler*innen, 424 Lehrkräfte und 67 weitere Mitarbeitende der Schule betroffen. NRC ist in den genannten Regionen tätig.
  • NRC sammelt Informationen zu Schulen, die ins Kreuzfeuer bewaffneter Auseinandersetzungen geraten sind oder vom Einsatz von Sprengkörpern betroffen waren; zu Bildungseinrichtungen, die verwüstet oder geplündert wurden; zu Lehrkräften, die bedroht oder getötet wurden; sowie zu Schüler*innen, die von Zwangsrekrutierung bedroht sind, rekrutiert wurden oder Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Außerdem dokumentiert NRC Unfälle und Vorfälle im Zusammenhang mit der vermuteten oder bestätigten Präsenz von Sprengkörpern innerhalb von Schulen oder entlang ihrer Zugangswege, sowie Schulen, die von bewaffneten Akteuren als Kampfstellungen oder Operationsbasen genutzt werden, als Schauplätze für zivil-militärische Aktionen dienen oder während des Schulbetriebs aufgrund der Anwesenheit bewaffneter Akteure Risiken ausgesetzt sind.
  • In der ersten Hälfte des Jahres 2026 ereigneten sich 40 Prozent der gemeldeten Angriffe auf Bildung auf den Wegen zu den Schulen und 60 Prozent innerhalb der Schulen selbst (NRC).
  • 33 Prozent der von Angriffen betroffenen Schulen erhielten Unterstützung, während zum Zeitpunkt der NRC-Berichterstattung in der ersten Hälfte des Jahres 2026 noch 67 Prozent auf Hilfe warteten.
  • NRC hat seit 2022 Belege für Angriffe auf Bildung gefunden, die im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt stehen. Laut Daten des NRC waren zwischen Januar 2022 und Juni 2026 in den Gebieten, in denen NRC tätig ist, mehr als 71.561 Schüler*innen, Lehrkräfte und weitere Beschäftigte an Schulen von solchen Angriffen betroffen.
  • Der NRC-Bericht (verfügbar auf Spanisch) stellt keine umfassende Analyse aller Angriffe auf Bildung in Kolumbien dar. Die darin enthaltenen Daten und Informationen bilden ausschließlich die Situation in den Gebieten ab, in denen der NRC tätig ist. Die Analyse beschränkt sich auf Kategorien, die mit der Safe Schools Declaration in Zusammenhang stehen.
  • Die 2015 von Norwegen und Argentinien ins Leben gerufene Safe Schools Declaration ist eine zwischenstaatliche Verpflichtung zum Schutz von Schüler*innen, Lehrkräften und Schulen vor Angriffen und militärischer Nutzung während bewaffneter Konflikte. Sie betont zudem die Bedeutung der Fortsetzung des Bildungsbetriebs in solchen Situationen. Wenn Kinder nicht zur Schule gehen, sind sie verschiedenen Risiken stärker ausgesetzt, darunter Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen, Kinderarbeit, Ausbeutung und Missbrauch. Schulen fungieren in bewaffneten Konflikten als schützende Umgebungen.
  • Lesen Sie die kürzlich von NRC erhobene Studie, die untersucht, wie fehlende Eigentumsnachweise für Schulgrundstücke die Reaktion auf Angriffe auf Bildung in Kolumbien erschweren (die Studie ist auf Spanisch verfügbar). Die Fallstudie konzentriert sich auf die Verwaltungsbezirke Cauca und Norte de Santander. Beide sind von bewaffneten Konflikten betroffen und laut den von NRC erhobenen Informationen wiederholt Schauplatz von Angriffen auf Bildungseinrichtungen.
  • Die Analyse untersuchte 18 Fälle, davon elf in Cauca und sieben in Norte de Santander. Die Ergebnisse geben Aufschluss über den Zusammenhang zwischen der Vergabe von Landtiteln und der Reaktion des Staates auf Angriffe auf Bildungseinrichtungen. Somit liefern sie Anhaltspunkte für die Ausgestaltung öffentlicher Politik.

Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an: 

  • Ana Milena Ayala Sanchez, Advocacy and Communication Officer, NRC in Kolumbien: ana.ayala@nrc.no, +57 323 274 6021
  • Zoe-Marie Lodzik, Communication Adviser, NRC Deutschland: zoemarie.lodzik@nrc-hilft.de, +49 151 578 60663
  • NRC Norwegian Refugee Council weltweite Medien-Hotline: media@nrc.no, +47 905 62 329

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