In Beirut sind vertriebene Familien gezwungen, in Zelten entlang der Straßen zu leben. Foto: Ahmad Badr/NRC

Naher Osten: Wir sind Zeugen des Leids der Zivilbevölkerung

Stellungnahme von Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegian Refugee Council (NRC), zur militärischen Eskalation im Nahen Osten.
Pressemitteilung
Mittlerer Osten Ich rannte Israel Libanon Palästina
Veröffentlicht 04. März 2026

„Ich bin entsetzt über die Auswirkungen, die der Krieg in der Region auf die Zivilbevölkerung hat. Meine Kolleg*innen von NRC werden in der gesamten Region vor Ort bleiben und humanitäre Hilfe leisten. Diese tödliche Eskalation verstärkt das Leid der Menschen, die bereits durch frühere Konflikte gezeichnet oder in finanzielle Not geraten sind.

In den Ländern, in denen NRC tätig ist, sind uns die drastischen Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung bekannt. Im Iran wurden durch Angriffe viele Menschen, darunter Kinder, getötet oder verletzt und Häuser sowie Schulen beschädigt. Dadurch sind Familien gezwungen, zu fliehen oder in Angst und Unsicherheit Schutz zu suchen. Das Land beherbergt mehr als vier Millionen Afghan*innen, die vertrieben wurden, viele von ihnen unter höchst prekären Bedingungen.

Nach Angriffen der Hisbollah haben israelische Bombardierungen im Libanon Hunderte Menschen getötet oder verletzt. 65.000 Menschen wurden gewaltsam vertrieben und leben in improvisierten Unterkünften wie Moscheen und Schulen. Zehntausende sind weiterhin auf der Straße oder finden bei Verwandten oder Freund*innen Zuflucht. Am Mittwoch ordnete Israel die Evakuierung der gesamten Bevölkerung südlich des Litani-Flusses im Libanon an – ein Schritt, der das Leben vieler weiterer Menschen erschüttern wird.

Raketen- und Drohnenangriffe töten und verletzen weiterhin Zivilist:*innen in Israel. Diese Angriffe beeinträchtigen unsere Arbeit in den besetzten palästinensischen Gebieten. Im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem, sind viele unserer Aktivitäten aufgrund von Bewegungs- und Zugangsbeschränkungen erheblich eingeschränkt. Die Zivilbevölkerung, darunter auch unsere Mitarbeitenden, ist auf der Suche nach Sicherheit, während in der Umgebung Raketen niedergehen und es keine sicheren Schutzräume gibt. Unsere Arbeit in Gaza geht weiter, doch die Bedingungen bleiben katastrophal. Es herrscht die weit verbreitete Angst, dass das Waffenstillstandsabkommen zerfallen könnte. Mehrere Tage mit geschlossenen Landübergängen nach Gaza haben zu Engpässen bei Gütern und zu steigenden Kosten geführt.

Auch im Irak, in Syrien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Katar, in Bahrain, in Kuwait und in Oman gehen Raketen, Trümmerteile und Splitter nieder, durch die Zivilisten getötet oder verletzt werden.

Schon vor der jüngsten Eskalation waren humanitäre Einsätze stark unterfinanziert. Das zwingt Hilfsorganisationen wie NRC zu unmöglichen Entscheidungen darüber, wer Unterstützung erhält und wer nicht. Während für militärische Maßnahmen enorme Ressourcen mobilisiert werden, bleibt humanitäre Hilfe weiterhin massiv unterfinanziert.

Es muss alles unternommen werden, um weitere Vertreibungen, Leid und Gewalt zu verhindern. Wir fordern alle Parteien auf, zu deeskalieren, die Zivilbevölkerung und zivile Infrastruktur – einschließlich Schulen und Krankenhäuser – zu schützen, ihre Verpflichtungen laut humanitärem Völkerrecht einzuhalten sowie sicheren und ungehinderten humanitären Zugang zu ermöglichen. Die Menschen in dieser Region haben bereits genug ertragen.“

Hinweise für die Redaktionen:

  • Seit der Eskalation wurden im Libanon mehr als 65.000 Menschen binnenvertrieben (WFP).
  • Die israelischen Behörden kündigten am 28. Februar die Schließung aller Landübergänge nach Gaza an. Sie teilten mit, dass der Übergang Kerem Shalom am 3. März wieder geöffnet werden soll. Alle anderen Übergänge nach Gaza bleiben geschlossen.
  • NRC ist eine globale humanitäre Organisation und unterstützt Menschen, die zur Flucht gezwungen sind, in 40 Ländern – darunter im Iran, im Libanon, in Palästina und im gesamten Nahen Osten.

Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an: 

  • Zoe-Marie Lodzik, Communication Adviser, NRC Deutschland: lodzik@nrc-hilft.de, +49 151 578 60663
  • Norwegian Refugee Council weltweite Medien-Hotline: media@nrc.no, +47 905 62 329