Vertriebene Familien in Tawila, Nord-Darfur, Sudan, die vor der Gewalt in El Fasher und dem Lager Zamzam geflohen sind. Foto: Tina Abu-Hanna/NRC

Rekordzahl von Binnenvertreibungen durch Konflikte und Gewalt

GENF, Schweiz – Konflikte und Gewalt verursachten 2025 weltweit eine Rekordzahl von 32,3 Millionen Binnenvertreibungen und übertrafen damit erstmals die Katastrophenvertreibungen. Dies geht aus dem heute veröffentlichten Global Report on Internal Displacement 2026 des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) hervor.
Pressemitteilung
Global
Veröffentlicht 12. Mai 2026

„Noch nie haben wir eine derart erschütternde Zahl konfliktbedingter Binnenvertreibungen verzeichnet“, erklärte die Direktorin des IDMC, Tracy Lucas. „Da sich Konflikte weiter verschärfen, werden häufig dieselben Menschen immer wieder vertrieben. Gleichzeitig werden die Systeme, die sie schützen sollen, zunehmend geschwächt.“

Die Zahl der Binnenvertreibungen erfasst Fälle, in denen Menschen gezwungen sind, innerhalb ihres eigenen Landes zu fliehen, oftmals mehrfach innerhalb eines Jahres.

Die Zahl der Binnenvertriebenen (IDPs) weltweit blieb mit 82,2 Millionen weiterhin nahe dem Rekordniveau und lag damit auf dem zweithöchsten jemals erfassten Stand.

Neue, eskalierende und langanhaltende Konflikte zwangen Menschen wiederholt zur Flucht innerhalb ihrer Heimatländer und führten im Vergleich zu 2024 zu einem 60-prozentigem Anstieg konfliktbedingter Binnenvertreibungen. Besonders stark betroffen waren Iran mit 10 Millionen sowie die Demokratische Republik Kongo mit 9,7 Millionen Binnenvertreibungen. Zusammen entfielen damit zwei Drittel aller konfliktbedingten Vertreibungsereignisse auf diese beiden Länder.

Auch Katastrophen führten weiterhin zu umfangreichen Fluchtbewegungen. Stürme, Überschwemmungen und andere Naturgefahren lösten im Jahr 2025 insgesamt 29,9 Millionen Binnenvertreibungen aus. Dies entspricht zwar einem Rückgang von etwa 35 Prozent gegenüber dem außergewöhnlich hohen Niveau von 2024, liegt jedoch weiterhin 13 Prozent über dem Jahresdurchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Auch Länder, die bislang weniger stark betroffen waren, verzeichneten umfangreiche Vertreibungen, während bekannte Krisenregionen weiterhin erheblichen Risiken ausgesetzt blieben. Dies verdeutlicht die sich stätig verändernden Auswirkungen des Klimawandels sowie die Notwendigkeit verstärkter Investitionen in Klimaresilienz. Besonders Waldbrände entwickelten sich weltweit zunehmend zu einer bedeutenden Vertreibungsursache mitmehr als 694.000 Binnenvertreibungen inim Jahr 2025, der zweithöchste Wert des vergangenen Jahrzehnts.

Obwohl die Gesamtzahl der Binnenvertriebenen im Vergleich zu 2024 leicht zurückging, blieb sie nahe des historischen Höchststands. Der Rückgang ist teilweise auf gemeldete Rückkehrbewegungen zurückzuführen, die vielerorts jedoch unter fragilen Bedingungen stattfanden.

„Die Binnenvertreibung von mehreren zehn Millionen Menschen ist Ausdruck eines globalen Versagens in der Konfliktenprävention und beim Schutz der Zivilbevölkerung“, sagte Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegian Refugee Council (NRC). „Unzählige Familien kehren in zerstörte Häuser und in Regionen mit zusammengebrochenen Versorgungsstrukturen zurück – oder können überhaupt nicht zurückkehren. Von der Demokratischen Republik Kongo und Sudan bis zu Iran und dem Libanon sehen wir Millionen weitere Menschen von Vertreibung betroffen - zusätzlich zu bereits historischen Höchstständen. Diese Lage ist nicht tragbar.“

Binnenvertreibung blieb weiterhin stark konzentriert: Fast die Hälfte aller konfliktbedingt Binnenvertriebenen (31,4 Millionen) lebt in lediglich fünf Ländern. Sudan verzeichnete dabei im dritten Jahr in Folge die höchste Zahl mit 9,1 Millionen Binnenvertriebenen, gefolgt von Kolumbien (7,2 Millionen), Syrien (6 Millionen), Jemen (4,8 Millionen) und Afghanistan (4,4 Millionen).

Im Jahr 2025 verschlechterte sich in mehreren Ländern die Verfügbarkeit von Daten, aufgrund weniger Erhebungen und eingeschränkten Datenerfassungen. Dies reduzierte die Sichtbarkeit von Vertreibungsdynamiken sowie der Situation betroffener Menschen.

„Verlässliche Daten zu Binnenvertreibung sind entscheidend, um Bedarfe zu erkennen und Risiken zu identifizieren. Damit politische Maßnahmen sowie Ressourcen an das tatsächliche Ausmaß der Krise angepassst werden können“, erklärte Lucas. „Angesichts steigender humanitärer Bedürfnisse und knapper werdenden Mitteln sind Investition in nationale Datensysteme und Koordinierungsmechanismen weiterhin von zentraler Bedeutung.“

Hinweise für die Redaktionen

  • Die Zahl konfliktbedingter Binnenvertreibungen ist im Vergleich zu 2024 um 60 Prozent gestiegen. Der Anstieg ist auf zunehmende internationale bewaffnete Konflikte, andauernde nicht-internationale bewaffnete Konflikte und Angriffe auf urbane Gebiete zurückzuführen.
  • Die Zahl der Binnenvertriebenen hat sich innerhalb des vergangenen Jahrzents mehr als verdopplelt, von 38,9 Millionen im Jahr 2016 auf 82,2 Millionen im Jahr 2025.
  • Instabilität nahm im Jahr 2025 weiter zu und führte zu Binnenvertreibungen auf nahezu Rekordniveau. Insgesamt wurden im Laufe des Jahres 62,2 Millionen Binnenvertreibungen registriert, darunter ein Rekordwert von 32,3 Millionen infolge von Konflikten und Gewalt sowie 29,9 Millionen infolge von Katastrophen.
  • Die Zahl der durch Katastrophen ausgelösten Vertreibungen ging gegenüber den extrem hohen Werten von 2024 zurück, die Risiken bleiben jedoch erheblich. Die im Jahr 2025 registrierten 29,9 Millionen Binnenvertreibungen lagen weiterhin 13 Prozent über dem Duurchschnitt der vergangenen zehn Jahre und verdeutlichen die anhaltenden Auswirkungen extremer Klima- und Wetterereignisse.
  • Wachsende Datenlücken drohen das tatsächliche Ausmaß und die Auswirkungen der Krisen zu verschleiern. Im Jahr 2025 stellte das IDMC in 15 Prozent der beobachteten Länder eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Vertreibungsdaten fest, dreimal so hoch wie im Vorjahr

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Johanna Bohl, Social Media and Communications Coordinator 
E-Mail: johanna.bohl@idmc.ch
Tel.: +41 22 552 3642 

 

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