Venezuela: Das tödliche Erdbeben wird das Leid noch verschlimmern

Stellungnahme von Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegian Refugee Council (NRC), zu den Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 in Venezuela:
Pressemitteilung
Amerika Venezuela
Veröffentlicht 25. Juni 2026

„Was die Hilfskräfte von NRC vor Ort in und um Caracas erleben, ist eine unvorstellbare Verwüstung, die die schweren Erdbeben hinterlassen haben. Deren Epizentrum lag westlich der venezolanischen Hauptstadt. Die verheerenden Erdbeben ereigneten sich am Abend eines nationalen Feiertags, als viele Familien zu Hause waren. Das Bürogebäude von NRC in Caracas wurde beschädigt, doch glücklicherweise sind alle unsere Mitarbeitenden in Sicherheit.

Dieses Erdbeben wird das Leid der Familien, die sich ohnehin schon in einer verzweifelten Lage befinden, noch verschlimmern. Bereits vor den Erdbeben benötigte mehr als ein Viertel der Bevölkerung des Landes dringend Hilfe.

NRC ist seit über zwei Jahrzehnten in Venezuela im Einsatz und wird unzähligen Familien, die ihr Zuhause und ihren Besitz verloren haben und deren Angehörige in den Trümmern ums Leben gekommen sind, dringend Nothilfe leisten. Derzeit ermitteln wir die dringendsten Bedürfnisse und werden bei Geberländern sowie dem privaten Sektor um Finanzierung bitten, um unsere Unterstützung für die am stärksten Betroffenen auszuweiten.

Die große Not der von der Krise betroffenen Menschen in Venezuela wird seit viel zu langer Zeit vernachlässigt. In den letzten drei Jahren haben Hilfskräfte vor Ort weniger als ein Drittel der benötigten Mittel erhalten, um selbst die grundlegende humanitäre Hilfe bereitzustellen. Geber müssen ihre Unterstützung dringend erhöhen, denn dieses Erdbeben hat sich zu einer zusätzlichen Katastrophe entwickelt. Es darf bei dieser Hilfe keine Verzögerung geben. Nationale Behörden und die internationale Gemeinschaft müssen ihre Zusammenarbeit sofort verstärken, um Hilfe zu leisten und einen tragfähigen Plan für den dringend benötigten Wiederaufbau zu erarbeiten.“

Hinweise für die Redaktionen:

  • Am Abend des 24. Juni wurde Venezuela von zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 auf der Richterskala erschüttert, welche kurz nacheinander auftraten. Das Epizentrum lag in der Nähe der Hauptstadt Caracas, wo erhebliche Schäden zu verzeichnen waren, darunter auch am Büro des NRC. In Gebieten im Norden des Landes wurden ebenfalls erhebliche Schäden festgestellt. Das Erdbeben war selbst noch in Bogotá, Kolumbien, zu spüren.
  • Im Jahr 2026 benötigen 7,9 Millionen Menschen im Land humanitäre Hilfe, das sind 27,7 Prozent der Gesamtbevölkerung von 28,5 Millionen Menschen (OCHA). Für den Erhalt von Hilfe wurden 5,5 Millionen Menschen registriert.
  • Der humanitäre Hilfsplan für Venezuela ist derzeit nur zu 23,2 Prozent finanziert. Von den benötigten 632,2 Millionen US-Dollar wurden lediglich 146,9 Millionen bereitgestellt (OCHA).
  • Der humanitäre Hilfsplan für Venezuela für das Jahr 2025 war nur zu 20 Prozent finanziert, während der Plan für 2024 zu 28 Prozent finanziert war (OCHA).
  • NRC ist seit 2005 in Venezuela vertreten und bietet Bildung, Schutz, Rechtsberatung sowie Unterstützung in den Bereichen Wasser und Sanitärversorgung an. Im Jahr 2025 erreichten wir mehr als 65.000 Menschen in vier Bundesstaaten.

Für weitere Informationen oder um ein Interview zu vereinbaren, wenden Sie sich bitte an: 

  • Zoe-Marie Lodzik, Communication Adviser, NRC Deutschland: zoemarie.lodzik@nrc-hilft.de, +49 151 578 60663
  • NRC Norwegian Refugee Council weltweite Medien-Hotline: media@nrc.no, +47 905 62 329