Lesen Beschriftung Spezialisten von NRC erheben den Bedarf im Beiruter Stadteil Karantina. Foto: NRC Libanon

Libanon: Nothilfe für die von der Explosion betroffenen Menschen in Beirut

Veröffentlicht 29. Sep 2020
Am 4. August 2020 kam es um 18:05 Uhr (Ortszeit) zu einer Serie von Explosionen im Hafen von Beirut. Momentan wird davon ausgegangen, dass es sich bei der Explosion um einen Unfall handelte, der durch die unsachgemäße Lagerung von 2.700 Tonnen Ammoniumnitrat verursacht wurde. Das Nitrat explodierte mit einer Sprengkraft, die mit 1,1 - 1,3 Kilotonnen TNT vergleichbar ist, nach einer Kettenreaktion von Bränden, die durch einen Schweißunfall ausgelöst wurde.  

Berichten zufolge sind mehr als 190 Menschen getötet und weitere 6.500 Menschen verletzt worden. Die libanesische Regierung schätzt, dass etwa 300.000 Menschen aufgrund der Explosion wohnungslos sind, andere Wohnungen und Häuser haben strukturelle Schäden und sind nur noch eingeschränkt bewohnbar. Mehr als 40.000 Gebäude sind beschädigt oder zerstört, und schätzungsweise 70.000 Menschen verloren durch die Explosion ihren Arbeitsplatz. Mehrere medizinische Einrichtungen wurden ebenfalls beschädigt, und Krankenhäuser die aufgrund von COVID-19 bereits an ihren Belastungsgrenzen waren, konnten den Ansturm von Verletzten nicht mehr bewältigen. Teilweise wurden Verwundete auf Parkplätzen behandelt oder mussten sogar abgewiesen werden. 

Wie NRC hilft: 

NRC ist schon seit 2006 im Libanon aktiv und konnte daher bereits in den ersten Tagen nach der verehrenden Explosion wichtige Nothilfe leisten. Freiwillige und Mitarbeitende arbeiteten zusammen, um Schutt und Scherben zu beseitigen, NRC mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes, stelle dafür die notwendige Schutzausrüstung und Arbeitsgeräte wie Schubkarren, Schaufeln und Besen zur Verfügung. Während Hausbesuchen in den besonders betroffenen Vierteln Mar Mikael und Karantina wurden die Betroffenen nach ihren dringendsten Bedürfnissen gefragt und die Häuser und Wohnungen von Spezialisten begutachtet, um so schnell wie möglich mit den Reparaturarbeiten beginnen zu können.  

 

Für insgesamt 370 Haushalte werden Wohnungen und Häuser wieder in Stand gesetzt, den Bewohnern und Bewohnerinnen wird zudem eine Rechtsberatung angeboten. In urbanen Gebieten sind Besitz- und Mietverhältnisse oft nicht ausreichend formalisiert und die Menschen haben wenig Kenntnisse welche Möglichkeiten und Rechte ihnen zustehen. Die Experten und Expertinnen des NRC bieten kostenlosen Rechtsbeistand an, um die Begünstigten zu helfen ihre Rechte und evtl. Entschädigungsansprüche einzufordern. Bei der Instandsetzung der Häuser wird ein besonderes Augenmerk auf die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung gelegt. In Zeiten der COVID-19 Pandemie, die auch im Libanon um sich greift, ist es wichtig den Menschen zu ermöglichen auf Hygiene zu achten, um sich vor Ansteckung zu schützen. Um dies zu erreichen werden auch Hygiene Artikel zur Verfügung gestellt. Besonders bedürftige Haushalte werden von Mietzuschüssen profitieren, dies soll verhindern, dass sie ihren Wohnraum verlieren, da immer mehr Menschen auf Grund der anhaltenden Wirtschaftskrise und den Folgen der Explosion ihre Einkommensquelle verlieren.        

 

 

 

Das Projekt

 

Land: Libanon  
Projektvolumen: 1.2 Millionen Euro 
Finanzierung: Auswärtiges Amt und Eigenmittel NRC  
Laufzeit: August 2020 bis Dezember 2020