DR Kongo führt die Liste der am meisten vernachlässigten Krisen der Welt an

Veröffentlicht 27. Mai 2021
Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) ist laut der jährlichen Liste der NRC Flüchtlingshilfe die am meisten vernachlässigte Vertreibungskrise der Welt. Grund dafür sind der überwältigende Bedarf und ein akuter Mangel an finanziellen Mitteln sowie die Unaufmerksamkeit der Medien und der Diplomatie.

„Die DR Kongo ist eine der schlimmsten humanitären Krisen des 21. Jahrhunderts. Eine tödliche Kombination aus ausufernder Gewalt, rekordverdächtiger Hungersnot und totaler Vernachlässigung hat eine Mega-Krise ausgelöst, die eine Mega-Reaktion rechtfertigt. Doch stattdessen scheinen Millionen von Familien am Rande des Abgrunds von der Außenwelt vergessen zu werden und sind von jeglicher Unterstützung abgeschnitten“, sagte der Generalsekretär des NRC, Jan Egeland, der den Bericht heute in Goma im Osten der DR Kongo vorstellte.

In den östlichen Teilen des Landes sind mehrere Konflikte eskaliert, die im vergangenen Jahr täglich 6.000 Menschen zur Flucht aus ihren Häusern gezwungen haben, was das Land zu dem Land mit den meisten konfliktbedingten Vertreibungen weltweit macht.

„Kongolesische Familien haben uns schreckliche Geschichten von Gewalt erzählt. Sie haben gesehen, wie ihre Häuser niedergebrannt wurden und mussten um ihr Leben fliehen. Aber sie haben wenig oder keine Unterstützung erhalten und fühlen sich vernachlässigt und allein. Ihre Geschichten machen selten Schlagzeilen, sie erhalten selten Besuche von hochrangigen Gebern und werden von der internationalen Diplomatie nie als vorrangig eingestuft“, so Egeland weiter.

Die Top Ten der am meisten vergessenen Krisen

Krisen in Afrika dominierten auch in diesem Jahr die Liste der vernachlässigten Vertreibungskrisen, mit der DR Kongo, gefolgt von Kamerun, Burundi, Venezuela, Honduras, Nigeria, Burkina Faso, Äthiopien, der Zentralafrikanischen Republik und Mali.

„Die Covid-19-Pandemie hat dazu geführt, dass Millionen von Menschen, die bereits in vernachlässigten Krisen ums Überleben kämpften, noch weiter zurückfallen. Das wenige Einkommen, das sie hatten, ist oft weg, die Bedürfnisse steigen ins Unermessliche und die finanziellen Mittel trocknen weiter aus“, warnte Egeland.

Zum ersten Mal in diesem Jahrhundert waren die weltweiten humanitären Hilfsaufrufe im vergangenen Jahr zu weniger als 50 Prozent finanziert. In einigen der vernachlässigten Krisen wurde sogar für lebensrettende Hilfsmaßnahmen nur ein Drittel der benötigten Mittel bereitgestellt. In diesem Jahr ist der Hilfsappell für die DR Kongo bis Mitte Mai nur zu 12 Prozent finanziert.

„Wir können nicht weiter zulassen, dass Millionen vertriebener Kongolesen im Schatten leiden. Eine kollektive, gemeinsame Verantwortung muss wiederbelebt werden, um das Elend von Millionen ein für alle Mal zu beenden“, sagte Egeland.

Fakten und Zahlen

DR Kongo:

  • 20 Millionen Kongolesen benötigen im Jahr 2021 Hilfe und Schutz; das entspricht einem von zwölf Bedürftigen weltweit.
  • Die UN hat zu 2 Milliarden US Dollar aufgerufen, um 10 von 20 Millionen Bedürftigen zu unterstützen, aber bisher ist der Aufruf zu etwa 12 Prozent finanziert.
  • Laut dem Internal Displacement Monitoring Centre wurden in der DR Kongo im Jahr 2020 zwei Millionen Vertreibungen registriert, was das Land zum Land mit den meisten neuen Vertreibungen in der Welt macht.
  • Insgesamt sind mehr als fünf Millionen Menschen in der DR Kongo intern vertrieben worden, und eine weitere Million Menschen ist aus dem Land geflohen.
  • Die DR Kongo beherbergt die größte Anzahl von Menschen, deren Ernährung unsicher ist – 27 Millionen, darunter über 3 Millionen Kinder. Jeder dritte Kongolese hat nicht genug zu essen, um sich selbst zu ernähren.

Die Liste der vernachlässigten Vertreibungskrisen:

  • Obwohl sich humanitäre Hilfe allein am Bedarf orientieren sollte, erhalten einige Krisen mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung als andere.
  • Das NRC erstellt jährlich eine Liste mit vernachlässigten Vertreibungskrisen, um den Fokus auf die Notlage von Menschen zu richten, deren Leiden selten internationale Schlagzeilen macht, die selten hochrangige Besuche von Geberländern erhalten und die nie in den Mittelpunkt der internationalen Diplomatie rücken.
  • Die Liste der vernachlässigten Vertreibungskrisen für 2020 analysiert 40 Vertreibungskrisen anhand von drei Kriterien: fehlende Finanzierung, fehlende Medienaufmerksamkeit und fehlende internationale politische und diplomatische Initiativen.
  • Die DR Kongo ist ein Paradebeispiel für eine vernachlässigte Krise und schneidet bei allen drei Kriterien gut ab. Sie steht auf der Liste für 2019 und 2018 auf Platz 2, für 2017 auf Platz 1 und für 2016 auf Platz 2 der Liste.
  • Kamerun, das in diesem Jahr auf Platz 2 der Liste steht, führte die Liste 2018 und 2019 an. Das Land ist von drei Krisen betroffen und hat in den letzten Jahren einen Anstieg der Vertreibungen erlebt, aber es wurde wenig internationaler Druck auf die Konfliktparteien ausgeübt, damit sie die Angriffe auf Zivilisten einstellen.
Für Journalisten

Multimedia-Material:

  • Der Bericht ist hier verfügbar.
  • Das Video aus der DR Kongo steht hier zum kostenlosen Download bereit.
  • Fotos von Egelands Besuch in der DR Kongo sind hier zur freien Verwendung verfügbar.
  • Fotos aus allen Ländern der Liste stehen hier zur freien Verwendung zur Verfügung.

Für Interviews oder weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

  • Regionaler Medienberater für Zentral- und West-Afrika, Tom Peyre-Costa (in der DR Kongo): E-Mail: peyrecosta@nrc.no, Telefon: +243812408612, Whatsapp: +33 6 58 51 83 91
  • NRCs Medienteam in Oslo: E-Mail: media@nrc.no, Telefon: +47 905 62 329
  • NRC Deutschland, Geschäftsführer Per Byman: E-Mail: per.byman@nrc-hilft.de, Telefon: +49-152-599 55 240